Deli

Das Arabica in Kreuzberg

Zu schön, um wahr zu sein: Ein sehr guter Koch und atmosphärische Differenzen: zum Lunch ins allzu herausgeputzte Arabica

Arabica

Die hyperästhetisierte japanische Kaffeehauskette Arabica ist also in Berlin angekommen – um vom Kreuzberger Flagshiplokal aus, so der ambitionierte Anspruch, Paris und London zu erobern. Nun, der seltsam überengagierte, flache Kaffee liefert hierfür kaum einen Grund. Überhaupt bleibt ein Lunch auf dieser Mittagspausenbühne eine zwiespältige Erfahrung.

Den emsig handwerkenden, ja, wirklich handwerkenden Köchen ist dabei der geringste Vorwurf zu machen. Buschbohnen und Kartoffeln mit Karpern, allerlei Kräutergrünem und einen wachsweichen Ei: So ein Teller meidet wellfoodige Bowl-Klischees und ist trotzdem eine leichte, vollwertige Mahlzeit (7,50 Euro). Und das hausgemachte Paté vom Brandenburger Wild samt eingelegten Kirschen deutet ein produktfokusiertes Kochverständnis an, dem durchaus die kulinarische Abendgestaltung zu wünschen wäre. Warum aber steckt das Grilled-Cheese-Sandwich (6,50 Euro) in einem schnöden Toast-Dreieck, obwohl an anderer Stelle mit dem Sauerteigbrot von Berlins ­neuem Lieblingsbäcker Albatross geworben wird? Das kann auch ein kleine Schälchen großartiges Kimchi nicht retten.

Vor allem aber hat dieses allzu schöne ­Lokal ein atmosphärisches Problem. Der elegische Terrazzoboden, die Stahlrohrfreischwinger, diese scheinbar schwebende Theke: So eine Inszenierung muss angemessen bespielt werden, damit sie nicht zum bloßen Manierismus verkommt. Im Arabica aber scheitert der Service an den smarten Technologien (ohne Touchscreen geht hier nichts), stehen Mitarbeiter wie Gäste schon mal hilflos im Raum herum, sorgt die Frage nach ein wenig Brot für Überforderung (der Koch rettet einmal mehr die Situation). Vielleicht kann man einen Kreuzberger Hinterhof aber auch nicht, zack, in ein weltläufifges Lunchlaufsteg verwandeln. Was ja wiederum eine gute Nachricht wäre. Und das hat jetzt nichts mit Kiezromantik zu tun, sondern mit der Seele, der Authentizität, die die jedes Lokal, und sei es noch so schön, nun einmal braucht.

Arabica Reichenberger Str. 36, Kreuzberg, Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr, www.facebook.com/arabicaberlin

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