Essen & Trinken

Das Auge isst mit

Ja, ich gebe es zu: Auch ich gehöre hin und wieder zu jenen Menschen, die im Restaurant ihr Essen fotografieren. Ich könnte mich nun damit rausreden, dass das bei mir natürlich aus rein professionellen Gründen geschieht, als eine Art Gedankenstütze für spätere Texte. Aber ein bisschen peinlich ist mir das Geknipse im Dämmerlicht dann doch. Erst recht, seit ich weiß, dass die Fotografiererei des Essens mittlerweile einen Namen hat: Food Porn. Und wie bei jedem neuen Trend, dem mehr als drei Leute folgen, melden sich sogleich auch Experten zu Wort, die eine Meinung dazu haben.

Die kanadische Psychologin Valerie Taylor etwa war eine der Ersten, die die Befürchtung äußerte, Food Porn könne zu Fresssucht und ­Bulimie führen, weil man viel zu viel ­Essen vorgesetzt bekäme – wenn auch nicht real, sondern nur virtuell, etwa bei Face­book oder Instagram, was es in meinen Augen nur noch schlimmer macht, denn schließlich geht doch nichts über ein reales, frisch zubereitetes, schmackhaftes Mahl. Nicht einmal, wenn das ­Foto aus einem französischen Sterne­restaurant stammt. Dem La Grenouillиre in La Madelaine-sous-Montreuil etwa, in dem der unkonventionelle Alexandre Gauthier den Löffel schwingt. Bei ihm ist jetzt ohnehin Schluss mit Food Porn und ähnlichen Schweinereien, denn ab sofort hat er in seinem Restaurant untersagt, das Essen zu fotografieren. „Früher ­kamen die Gäste und fotografierten sich und ihre Familie“, sagt er.

„Heute posten sie Fotos vom Essen auf Facebook und schrei­ben Kommentare dazu. Und dann ist das Essen kalt.“ Also zettelt der Meister der Gastronomie im Land der Haute Cuisine eine kleine Revolution an, indem er seine Gäste dazu zwingt, die Kameras bei Tisch aus der Hand und Messer und Gabel hineinzulegen. Sollen wir wetten, dass er bald Nachfolger findet?

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