Brutal lokal

Das Baldon im Lobe Block am Gesundbrunnen

Avantgarde und Ackerfurchen: Unter dem Beton liegt das Beet: In Arno Brandlhubers Lobe Block am Gesundbrunnen begeistert das Baldon mit einer leisen Produktküche

Baldon

Die Fallhöhe war durchaus gegeben. Nicht nur, weil diese lichtdurchflutete Raumskulptur von einem Gastraum eine Deckenhöhe von bis zu sieben Metern hat. Überhaupt ist diese Konstellation knifflig: der Lobe Block, ein brutalistisch-betonroher Neubau des angenehm listigen Stadtraumgestalters Arno Brandlhuber, wird bereits als neue Architekturikone durch Berlin und mithin die Republik geraunt. Das weckt die Erwartungen, schürt den Hype und könnte vom Wesentlichen ablenken. Wesentlich aber ist die Küche der jungen, im Wedding aufgewachsenen Köchin Caecilia Baldszus (links im Bild) ganz unbedingt.

Womit wir also das Baldon betreten. An einem Donnerstagabend, dem vorerst einzigen Tag der Woche, an dem dieses Lunchlokal zum Restaurant werden darf. 40 Euro pro Person kostet das einmal mehr zum tischweisen Teilen konzipierte Menü. Alle Teller wären auch à la carte bestellbar. Dass wir aber unbedingt das Menü empfehlen, liegt nicht nur an der gemessen am Wareneinsatz extrem fairen Kalkulation, sondern an der aromtischen Klammer, zu der Baldszus jeweils zwei oder drei Teller vereint. Da die roh marinierte Makrele und eine Auswahl fermentierter Kohlgemüse. Ätherisch, japanophil und überraschend frisch. Dort die gereifte Rinderhochrippe (aus der Werkstatt des Forsthaus Strelitz, mit dem Caecilia Baldszus seit einem Praktikum freundschaftlich verbunden ist), die wunderbar mit den getrüffelten Kartoffeln und dem forsch verkohlten Spitzkohlgang (mit Walnuss und Granatapfel) harmoniert.

Das Forsthaus Strelitz, die Fischversteher von Küstlichkeiten, der Moabiter Fermentationshandwerker Markus Shimizu, dazu die Markthalle Neun oder eingelegte Tomaten aus dem eigenen Dachgarten: Schon die Lieferanten zeigen, dass es dieses Lokal ernst meint mit der Ethik des Essens und dem vollen, ehrlichen Geschmack. Unter der Woche gibt es die gleiche Küche in kleinen Portionen und mit demselben Engagement. Man sollte also nicht den Fehler machen, das Baldon, erwähnt werden sei noch die leichtfüßige Abendgestaltung von Gastgeberin Jessica-Joyce Sidon, nur wegen seiner Architektur zu besuchen. Besuchen sollte man es in jedem Fall.

Baldon Böttgerstr. 14, Wedding, Di–Fr 9–16 Uhr (12–14.30 Uhr Lunch), Sa 11–16 Uhr (Brunch), Do ab 18 Uhr (Dinner) www.baldon.berlin

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