Essen & Trinken

Das Cafй Dujardin revitalisiert die Eckkneipe

cafe_dujardin_clemens_niedenthalWarum eigentlich wollen alle immer nur wissen, ob der Wedding nun das nächste große Ding wird? Entscheidender sind doch die kleinen Dinge. Und in diesem Sinne ist dieses Cafй Dujardin vielleicht das nächste kleine Ding. Eine Kneipe, wie sie vermutlich nur noch an Orten entstehen kann, die sozusagen Zeitgeisterwartungsgebiet sind, Randlagen der Gentrifizierung. Und so sitzt man dann bei einem Tegernseer Bier und einer Berliner Neuland-Bulette mit hausgemachtem Kartoffelsalat (4,50 Euro) und wartet auf alle, die da kommen werden. Sie werden kommen, keine Frage. Bis dahin aber bietet dieser Ort eine ziemlich entspannte Atmosphäre, ein nonchalanter Vorposten dieser hippen, proppenvollen Stadt. Wobei man das im Dujardin selbst wohl am besten weiß.

Werner Geyer, der den Laden gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Selig eröffnet hat, hat eine umtriebige Gastgeberbiografie, zu nennen nur das Muschi Obermaier in der Torstraße. So sitzt man also da und schaut durch große Fenster auf die kleine Panke. Man schaut sich im Lokal um, das, obwohl erst vor drei Monaten eröffnet, so wirkt, als sei es irgendwie schon immer da gewesen. Schlichte Holzeinbauten, alte Holzstühle an Marmortischplatten, frische Blumen in Einmachgläservasen. Und man schaut in die kleine Karte: Buletten, Obazter, hartgekochte Eier und ein wirklich exzellenter Schweizer Wurstsalat (4,50 Euro). Eine einfache, in Details süddeutsche Kneipenküche, wie sie so naheliegend wäre und doch auch so selten geworden ist. Kleinigkeiten, denen doch eine große Aufmerksamkeit gilt. So frisch gemacht, dass manches auch schon mal ausverkauft ist. Die Kuchen sind selbst gebacken, der Kaffee gut und die Getränkeauswahl üppig, ohne dass das Dujardin gleich behaupten müsste, eine Bar zu sein.

Bliebe nur noch die Sache mit dem Namen zu klären, dieser ferne Gruß aus der Lebenswirklichkeit unserer Onkel, Tanten und Großeltern. Tatsächlich also heißt das Cafй wie der Weinbrand: „Darauf einen Dujardin.“ Komischer Retro-Humor aus den Neunzigerjahren irgendwie. Aber doch auch ein passender Name für einen Ort, der nicht mehr sein will als eine gute Kneipe. Vor allem aber nicht weniger.

Text/Foto: Clemens Niedenthal

tip-Bewertung: Empfehlenswert

Cafй Dujardin Uferstraße 12, Wedding, Mo–Sa 12–24 Uhr, So 12–20 Uhr, www.cafedujardin.de

WEITERE EMPFEHLUNGEN:

Mio Matto in Friedrichshain

Brooklyn Burger Bar in Mitte

Cafй Botanico in Neukölln

Restaurant 44 in Charlottenburg

Glass in Charlottenburg

Sra Bua in Mitte

Die Kantine des Chipperfield Architekturbüros in Mitte

Schrödingersin in Charlottenburg

Restaurant Senefelder in Prenzlauer Berg

Monbijou Bar & Restaurant in Mitte

Das Stue in Tiergarten

Lupus in Neukölln

Issaan in Mitte

 

Mehr über Cookies erfahren