Essen & Trinken

„Das kommt in die Tüte“ von Clemens Niedenthal

Als ich noch ziemlich frisch war in dieser Stadt gab es dieses hübsche Ritual. Das Schnitzelbrötchen am Tag danach. Also am Tag nach dem Jolesch, dem Engelbecken, dem Austria. Der Berliner Österreicher meint es für gemeinhin sehr gut mit seinen Gästen. Und so wurde einem das halbe Schnitzel später des Abends in Aluminiumfolie eingeschlagen zugesteckt. Wäre ja auch schade drum gewesen.
Später entwöhnte ich mich dieses liebgewonnenen Extrahappens. War da der Hunger nicht doch größer als der gute Stil und erst recht die guten Manieren?
Die Franzosen wiederum gelten gemeinhin als besonders stilbewusste Menschen. Erst recht, wenn es um ihre Küche geht. Die so meinte es nicht nur Nicolas Sarkozy, „beste Küche von Welt“. Und dennoch wird auch der Gourmet künftig den getrüffelten Kartoffelschaum und das Dry-Age-Beef vom Charolais an der Rotweinreduktion im „Doggy Bag“ mit nach Hause tragen … müssen. Denn nachdem in Frankreich bereits die Supermärkte dazu verpflichtet wurden, übriggebliebene Lebensmittel zu spenden oder anderweitig zu verwerten, ist im kulinarischsten unserer Nachbarländer nun auch der „Doggy Bag“ gesetzlich Pflicht. 220 Gramm Lebensmittel lässt der französische Gast pro Restaurantbesuch im Schnitt auf dem Teller. Pure Verschwendung, ganz klar. Bleibt nur die Frage, ob sich der deutsche Gesetzgeber das französische Modell zum Vorbild nimmt. Oder zuvor bereits der deutsche Gast.“

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