Israelisch-Mediterran

Das Montraw in Prenzlauer Berg

Was den zeitgeistigen Auftritt angeht, hat es sich dieses gehypte Ecklokal allzu einfach … oder eben alles richtig gemacht: ein Besuch im Montraw

Foto: Sasha Kharchenko

Tom-Dixon-Lampen über den Holzstühlen des nun auch schon seit einer ziemlichen Weile ziemlich angesagten Designerlabels e15. Stromkabel, die aus offenliegenden Kupferrohren purzeln. Viel Grau, viel Schwarz, dazwischen ein wenig heiteres Blau: Was den zeitgenössisch fotogenen Auftritt angeht, hat es sich das Montraw ziemlich einfach – oder eben alles richtig gemacht. Ähnlich zeitgeistig geht es auch auf der Karte weiter. Israelisch-Mediterran schmeckt es seit einigen Monaten in der Straßburger, Ecke Metzer Straße, ohne dem noch immer schwäbelnden Prenzlauer Berg allzu küchenavantgardistisch in die Magengrube zu stoßen. Tatsächlich funktioniert das auf einigen Tellern sehr gut. Der gegrillte Oktopus mit gebackenen Kartoffeln und Linsenpüree (18 Euro) war ein in Textur wie Aroma überzeugendes, köstlicherweise gar nicht öliges Leibgericht. Das Fisch Crudo von der notorischen Gelbflossenmakrele (10 Euro), quasi eine Ceviche als Fingerfood, gefiel mit einer Balance aus Säure, Schärfe, Mineralität. Doch schon beim Salat von Fenchel und Rüben (8,50 Euro) überwogen, trotz der angekündigten Blutorangen-Vinai­grette, die erdigen, breiten Noten allzu sehr.

Was störte? Viele, zu viele Kleinigkeiten. Ein Bier, das zwar kleiner als in der Karte vermerkt (0,33 statt 0,5 Liter), aber genauso teuer war. Die Musik – war sie nun zu laut oder doch eher zu beliebig? Eine reichlich versalzene Fisch-Pasta. Und eine Wartezeit von einer guten halben Stunde auf die Hauptgänge, für die uns immerhin, ungefragt, eine Aufmerksamkeit aus der Küche versprochen wurde – die dann zwischenzeitlich doch auf der Rechnung stand.

Klar kann das alles, im einzelnen, immer mal passieren. Und klar reicht das unterm Strich noch immer für einen netten Abend. Unter den neuen israelisch-arabischen Läden aber – und man merkt dem Montraw zu deutlich an, dass es auf diesen Geschmack hin konzipiert worden ist – hat das Night Kitchen mehr Soul, das Gordon mehr Lässigkeit und das Kanaan mehr Street (Food) Credibility. Das Montraw hingegen hat, in den Abläufen wie im Charisma, noch nicht das, was man so passend „Selbstverständlichkeit“ nennt.

Montraw Straßburger Str. 33, Prenzlauer Berg, Tel. 25 78 27 07, Di-So 18-23 Uhr, www.montraw.com

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