Essen & Trinken

„Das schlechte Gebissen“ von Clemens Niedenthal


Das neue Jahr beginnt ja gemeinhin mit guten Vorsätzen. Und überproportional oft betreffen diese den Lebensbereich des Kulinarischen, weil die Ernährung eben etwas ist, das es gemeinhin zu optimieren gilt. Mehr Gemüse, weniger Alkohol, das mit dem Flexitarismus ausprobieren, solche frommen Wünsche. Nun beginnt das neue Jahr seit einigen Jahren auch verlässlich mit dem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgebenen „Ernährungsreport Deutschland“. Womit wir wieder bei den guten Vorsätzen wären. Und bei den frommen Wünschen. Anders nämlich lassen sich die Ergebniss dieser, nun ja, empirischen Studie nicht interpretieren. So legen angeblich 76 Prozent aller Befragten Wert darauf, dass ihre Lebensmittel aus der Region kommen. Gar 86 Prozent sind der Meinung, dass die Arbeit der Landwirte besser, also höher honoriert werden sollte. Um noch einmal zwei Prozentpunkte darüber liegt die Zustimmung für „bessere Beachtung der artgerechten Haltung von Nutztieren„. Darüber hinaus gaben vier von fünf Befragten an, gerne zu kochen. Wohin dann also mit all den Tiefkühlpizzen und Tütensuppen? Wieso ist die Schweinemast ein lukratives Gewerbe? Und warum schmeißt jeder Bundesbürger – statistisch gemitttelt – jährlich rund 82 Kilo Lebensmittel weg? Vermutlich aber dokumentiert dieser Ernährungsreport weniger unsere Wirklichkeit – sondern vielmeher unser schlechtes Gewissen.

Mehr über Cookies erfahren