Essen & Trinken

Deftige asiatische Küche im Chan

Chan Restaurant_Foto:MGAber auch weiter westlich, wo der Bezirk immer schon etwas arrivierter, bürgerlicher und teurer war, tut sich was. Etwa am Paul-Lincke-Ufer, wo es seit Kurzem eine neue Adresse gibt, die allein schon wegen der hellen, aufgeräumten Optik ins Auge sticht. Ein großer Raum mit offener Show-Küche. Über der Bar schweben rechteckige Holzregale und weiße Hängeleuchten. Vor hellgrünen Wänden stehen lange Bänke, vor den quadratischen Tischen schlichte Hocker. Der Style passt zum kulinarischen Konzept: moderne Küche aus Fernost. Die Homepage verrät, dass die Komposition der Speisen an die asiatische Marktküche angelehnt ist. Das Wort „frisch“ taucht in der Beschreibung des kulinarischen Konzepts gleich dreimal auf. Im Impressum stößt der User auf einen bekannten Namen: Frank Spindler, der gemeinsam mit Jesko Klatt zu den Berliner Wegbereitern des Club-Dinings zählt.

In Spindlers neuem Restaurant, das er gemeinsam mit Samnang Tong führt, dreht sich alles um Asia Market Food – kein innovatives Konzept, doch in Kreuzberg gab es dafür anscheinend eine Marktlücke. Das neue Restaurant kommt gut an. An einem spätsommerlichen Donnerstagabend sind draußen fast alle Plätze belegt, nur ein kleiner Tisch am Rand ist noch frei. Links davon dinieren zwei Freundinnen stundenlang und haben sich offenbar viel zu erzählen. Rechts sitzt eine anfangs einsame Dame, die im Laufe des Abends diverse Freunde lautstark an ihrem Tisch begrüßt. Als Vorspeise bringt die Kellnerin einen Teller mit thailändischen Frühlingsrollen, gefüllt mit Hühnchenbrust, Frühlingszwiebeln, Thai-Basilikum, Glasnudeln und Sojasprossen. Begleitet werden sie von einer süßen Pflaumensauce. Die Füllung ist pikant und gut, die süße Pflaumensauce ebenfalls, doch die Frische der Zutaten lässt sich kaum herausschmecken, da die Frühlingsrollen frittiert wurden. Auch die später gereichten Hauptspeisen überzeugen nicht ganz. Der Lachs mit Bambus und Kürbis wird geschmacklich von einer schweren, roten Currysauce dominiert, die Hühnchenkeule auf Chefsalat erinnert an amerikanische ChickenWings. Die zum Huhn gereichte Currysauce ist ähnlich schwer wie beim Lachs, die als Beilage servierten Tapiokanudeln weich gekocht und geschmacklich sehr neutral. Insgesamt, so der Eindruck am Testabend, ist das Essen bei Chan zwar schmackhaft, aber auch überraschend deftig. Deutlich deftiger jedenfalls als das, was in den asiatischen Straßen- und Marktküchen zubereitet wird, an denen sich die Chan-Küche nach eigener Aussage orientiert.

Text:
Oliver Burgard

Bester Platz:
mit dem Rücken zur Wand
Beste Beilage: Pflaumensauce
Beste flüssige Überraschung: Smoothie der Woche

Chan Paul-Lincke-Ufer 43, Kreuzberg,
Tel. 0177-412 46 02;
U-Bhf. Kottbusser Tor, Schönleinstraße; tgl. 11-24 Uhr, Küche 12-23 Uhr;
Speisen 3,50 bis 13Ђ; Softdrinks ab 1,90Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,40Ђ, Wein (0,1 l) ab 3Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 19Ђ;
Rauchen nur draußen, im Winter Decken

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