Wein

Der beste Wein zu Weihnachten

Weihnachten ist ja auch das Fest des Trinkens. Wir haben mit Willi Schlögl, Gastgeber in der Weinbar Freundschaft, über Weinpräsente und Tischrituale gespochen – und über langweilige Grauburgunder

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Die besten Geschenke sind noch immer solche zum Essen. Wenn es nicht gleich welche zum Trinken sind. Genauso aber steht da in jeder Küche diese eine Flasche Wein, die vermutlich schon vier Mal weiterverschenkt worden ist, weil der eine kein Barrique mag, der nächste gar keinen Rotwein und der übernächste schlicht vergessen hat, für die Einladung zum Raclette an ein Mitbringsel zu denken. So kurz vor dem Fest reden wir deshalb mit einem, der den Wein und seine Rituale ziemlich gut kennt. Willi Schlögl war als Wirt der Cordobar 2014 Deutschlands Sommelier des Jahres. Seit diesem Herbst ist seine Weinbar Freundschaft Berlins kenntnisreichster Ort lässigen Weinkonsums.

tip Herr Schlögl, verschenken Sie Wein?
Willi Schlögl Fast immer. Das ist zugegeben urlangweilig, aber ich weiß halt, was die Leute gerne trinken … und sitze ja buchstäblich an der Quelle.

tip Also dann, haben Sie den ultimativen Weingeschenk-Tipp?
Willi Schlögl In Deutschland mag fast jeder den Grauburgunder, damit mache ich also in 99 Prozent der Fälle alles richtig. Nur wäre das jetzt, und das will ich doppelt unterstrichen wissen, nicht meine Empfehlung. Es ist halt ein Wein, der allen schmeckt, weil er am wenigsten wehtut. Aber das ist dann eben auch, da haben wir es schon wieder, urlangweilig.

tip Nun ist das mit den ambitionierten Präsenten so eine Sache. Kann ich den Beschenkten mit einem Wein überfordern?
Willi Schlögl Wenn man weiß, dass derjenige auch nur ein bissl weininteressiert ist, geht das doch meistens gut. Zudem kann man über Wein ja ganz wunderbar streiten. Gerade jetzt an Weihnachten bietet sich viel Raum zum Gespräch.

tip Apropos reden: Wenn ich etwa meine Liebe zu Spontanvergorenem unter die Leute bringen will, sollte ich das Geschenk dann samt Erklärtext überreichen oder wäre das doch zu viel Missionseifer?
Willi Schlögl Im Gegenteil, der Wein gehört unbedingt erklärt, sonst hat da keiner etwas von. Weder der Beschenkte noch der Schenkende und auch nicht der Produzent. Das ist ja das größte Problem an den Weinen, die heute en vogue sind, Naturweine, Orange Wine, maischevergorene Weine: Diese Sachen brauchen alle eine Gebrauchsanweisung, sonst verstehst du den Geschmack erstmal nicht.

tip Sollte man auch mal gegen den eigenen Geschmack verschenken?
Willi Schlögl Ebenfalls ganz unbedingt, weil der Oma will ich ja eine Freude machen. Und wenn die Oma seit jeher edelsüße Sachen trinkt, bekommt sie was Schönes von der Mosel. Außer man merkt, dass auch die Oma offen für Neues ist.

tip Wäre das Weihnachtsmenü der richtige Ort für eine Geschmackserziehung?
Willi Schlögl Bei meiner Familie gab es nie ein Weihnachtsmenü, es gibt kalten Aufschnitt. Meine Mutter hat gekocht das ganze Jahr, mein Vater war Wirt das ganze Jahr, die freuen sich auf einen entspannten Abend, gute Produkte und so lange essen wie man will. Ich versuche aber schon, gute Weine herzuzeigen. Mein Vater liebt säurehaltige, leichte und nicht so tolle Welschrieslinge. Ich bringe dann immer etwas mit, das ihn da abholt und dann – hoffentlich – zum Staunen bringt. Danach donnert er sich aber doch wieder seinen Welschriesling ein.

tip Das Dekantieren, die richtigen Gläser, kann man das Prozedere auch übertreiben?
Willi Schlögl Bei mir daheim, und da spreche ich wohl für die meisten Gatsronomen, ist der Weinservice definitiv einfach gehalten. Die Temperatur ist halt wichtig: lieber zu kalt als zu warm. Warm wird der Wein ja eh von alleine. Klar macht es Sinn, dem ein oder anderen Rotwein einige Minuten Luft zu geben, aber daraus sollte kein strenges Korsett werden, das dem Abend schlimmstenfalls seine Lockerheit nimmt.

tip Rotwein nach Weißwein?
Willi Schlögl Ich habe mir inzwischen angewöhnt, den besten Wein immer zuerst zu trinken, gleich was Großes zum Start. Und dabei geht es nicht darum, dass man irgendwann eh zu betrunken ist. Zu Beginn ist die Vorfreude einfach am größten und auch die Aufnahmefähigkeit. Irgendwann beginnen ja eh die Gespräche, die sich dann hoffentlich nicht nur um den Inhalt der Gläser drehen. Ich lebe vom Wein, ich liebe Wein, aber wenn wir jetzt mal ehrlich sind: kein Schwein braucht Wein. Das ist eine lustige Sache und ein Kulturgut, über das sich mehr zu reden lohnt als über irgendein Alkopop. Aber am Ende des Tages braucht keiner Wein.

Weinbar Freundschaft Mittelstr.1, Mitte, Di–Sa ab 18 Uhr, www.facebook.com/bar.Freundschaft

Willi Schlögl empfiehlt Wein zum Fest

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