Essen & Trinken

Der Food-Journalist

Facil_SchnitgerVor ein paar Tagen rief ein junger Mann im Büro an und wollte mal etwas grundsätzlich erklärt bekommen. „Ich habe da eine Idee.“ Er will über die Gastronomie schreiben, ob er das denn ohne deren Erlaubnis dürfe? Darf er nach den journalistischen Regeln, eine Tatsachenbehauptung wie „Der Fisch war schlecht, und ich habe darunter körperlich gelitten“ muss belegt werden. Also der Fisch muss wissenschaftlich analysiert, das Leiden als Folge des schlechten Essens ärztlich bewiesen sein. Und schon die nächste Frage: Ob denn die Gastronomie das Essen für den Schreiber zahlen würde? Das tut die Gastronomie schon mal, und für manche Food-Journalisten ist das auch ganz selbstverständlich. Korrekt ist das nicht, und deren veröffentlichte Kritik wird sowohl von Kollegen wie auch Restaurantbetreiber nicht mehr richtig ernst genommen. Es gilt das Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Aber wer übernimmt denn dann die Kosten, wieder die Frage. Tja, das ist auch wieder so ein Ding. Meistens der Journalist selbst, manchmal noch der Verlag. Die Idee des jungen Anrufers hatten schon mehrere, z.B. der legendäre Manuel Werner. Er lässt sich seine TV-Beiträge bezahlen. Die Frage ist nur, lässt sich so noch seriöser Food-Journalismus machen? Kann sich der Leser auf die Meinung des Kritikers dann noch verlassen und gutes Geld ausgeben für ein empfohlenes Restaurant? Wir journalistischen Gutmenschen glauben ja, dass sich Qualität und Seriosität durchsetzt, und zahlen tapfer, werden aber auch mal bei der Rechnung zum Wein eingeladen, das ist doch noch o.k., oder?

Foto: Harry Schnittger

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