Essen & Trinken

?“Der? Hipster hat? aufgegessen“ von Clemens Niedenthal

Clemens Niedenthal

In den USA von Jack Kerouac und Allen Ginsberg hat der Hipstzer den Jazz (den Bebop zunächst) in die weißen, distinktionshungrigen Mittelschichten getragen, genauso die Drogen und, ja, auch damals schon die multiethnische Küche eines multiethnischen Amerikas. Im London der Sechziger Jahre hat der Hipster die Codes und Kulturen der Migranten, den Reggae wie das Jerk-Chicken, in den Jugend- und Subkulturen implantiert. Kurz: Die Leistung des Hipsters war immer eine logistische. Er hat Phänomene wenn schon nicht in den Mainstream, so doch in eine breitere Öffentlichkeit transportiert. Der Hipster war der „early adopter“ – und wenn alle anderen kamen, war er schon wieder weg. Heute ist der Hipster allgegenwärtig. Zumal überall dort, wo es etwas zu Essen gibt. Der Third-Wave-Coffee-Hipster, der Street-Food-Hipster, der Craft-Bier-Hipster mit dem Schaum im Bart. Vielleicht aber ist der Hipster bei genauerer Betrachtung sogar verschwunden. Vielleicht war er selbst also das letzte Phänomen, dass der Hipster in den Mainstream gebracht hat. Nur: Wenn alle Hipster sind, dann ist es umgekehrt eben keiner mehr. Von nun an kann es also um das gute, neugierige Essen gehen – nicht mehr vor alllem um seine Codes und Inszenierungen.

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