Essen & Trinken

Die Arminusmarkthalle in Moabit

Ganz im Leisen zunächst ist die Arminusmarkthalle zu einem kulinarischen Spielplatz Berlins gewachsen. Jetzt wundern sich viele. Und freuen sich noch mehr.

Die Arminusmarkthalle in Moabit

Zu jedem Markt gehört ein Marktschreier. Yannis Kaufmann spielt diese Rolle so überzeugend wie aus Überzeugung. Er teilt aus gegen die Street-Food-Kultur („Bei uns wird das Essen gegessen, nicht fotografiert“), er lobt das Einfache und Beständige („Wenn aus einer Bratwurst ein Horizontalsnack wird, läuft was verkehrt“).  Er packt die Botschaften „seiner“ Arminiushalle auf den Punkt, der meistens auch ein Standpunkt ist.
„Bodenständig, authentisch, ehrlich“ sei sie, die Moabiter Halle. Und das finden zunehmend auch jene, die damit nicht nur die Drei Damen vom Grill meinen – tatsächlich wurde ja die letzte Staffel der Kultserie in der Arminushalle gedreht. Günter Pfitzmann, Brigitte Mira,  Harald Juhnke. Die Riesen-Currywurst kostet auch heute  nur 2,20 Euro. Gleich nebenan ist die Romanbörse, „Tausch & Verkauf“.

Soll auch so bleiben, betont Hallenmanager Kaufmann: „Von Anfang an war klar, wir werden keinem Altmieter kündigen, die gehören zur Halle, zur Moabiter Mischung“
Dieser Anfang, das war 2010. Analog zur Kreuzberger Markthalle Neun wollte die Berliner Großmarkt GmbH auch die defizitäre Arminiushalle verkaufen. Es gab ein Bieterverfahren und es gab auch wieder keins. Weil einfach niemand bieten wollte. Die laufenden Kosten, die weglaufenden Kunden. Ein Markthalle, war das überhaupt noch zeitgemäß?
Schließlich sollte der Unternehmer Christoph Hinderfeld ein kaufmännisches Konzept für die Arminiushalle schreiben – stattdessen hat er die Halle gleich selbst gekauft.
„Ehe sie bei uns in der Halle sind, kommen sie an fünf Läden vorbei, die das auch alles haben“, rekapituliert auch Kaufmann den Wandel von Stadt- und Konsumlandschaft. Die Berliner Markthallen, um 1890 nach den Entwürfen von Hermann Blankenstein gebaut, waren der buchstäbliche Grundstein zur Versorgung eines rauschhaft wachsenden Berlins. Heute ist das, um im Kulinarischen zu bleiben, nur noch die Beilage. Die Markthallen verkaufen ein Erlebnis. Und das längst nicht mehr nur nostalgisch, sondern mit einer kulinarischen Neugier, einem Hunger auf Veränderung.

Dieser Hunger hat Christopher O‘Conner nach Moabit geführt.  Aufgewachsen tief unten im amerikanischen Sektor, in Zehlendorf, hat er in der Arminushalle das Pignut aufgemacht. Real American BBQ.  Rinderbrust und Schweinerippchen aus dem holzbefeuerten Smoker. „Ich habe auch erst gedacht, so weit weg von den Food-Hipstern, kann das was werden? Aber dafür hat mich hier die West-Berliner Generation 50plus entdeckt , die hat irgendwie noch immer dieses Bild des guten Amerikaners im Kopf.“

Daneben lässt sich O‘Connor derzeit zum jungen Helden ausbilden. Für die tragenden Rollen bei Wagner, Weber, Beethoven. Ein Deutsch-Amerikaner mit irischem Opa und rotblondem Rauschebart, ein Heldentenor am Südstaaten-Räucherofen, auch das ist eine Geschichte, die die Arminushalle schreibt.
Eine andere erzählt von Rosa Lisbert, von Robert Havemann und Lisa Meyer, die in der Arminushalle seit dem vergangenen Jahr das eben so getaufte elsässische Restaurant betreiben (Top-Ten in der aktuellen tip-Speisekarte).

Herzstück des Rosa Lisbert ist der gemauerte, holzbefeuerte Flammkuchenofen, der einzige in Deutschland. Und auch im Elsass ist so einer rar. Aber es geht nicht nur um Speck und um Zwiebeln, es geht um den Käse von Fritz Blomeyer, um Foie Gras, um Trüffel und um ein Coq au Vin vom Schwarzfederhuhn. Gerade ist die  Weinkarte fertig geworden, eine, wie man sie in dieser Stadt sonst nur in Sterneläden oder dezidierten Weinbars findet. Warum haben die beiden das Rosa Lisbert, schon jetzt das beste Restaurant des Bezirks, gerade in Moabit aufgemacht? „Irgendwo in Moabit hätten wir das nicht gemacht“, so Havemann. Aber in der  Moabiter Markthalle.

Und so ist dieser Ort gleichsam Motor und Mikrokosmos eines Kiezes, der noch viel vom alten West-Berlin erzählt. Und von einer Aufbruchstimmung. Einem Ankommen und Sitzenbleiben, bei getrüffeltem Zwiebelkuchen und Gewürztraminer zum Beispiel.

Text: Clemens Niedenthal

Foto:
Robert Havemann

Ort und Leute

Arminusmarkthalle Einkaufen, Einkehren, rund 30 Stände des alltäglichen und besonderen Bedarfs, Arminiusstr. 2-4, Moabit, www.arminiusmarkthalle.com
Rosa Lisbert Flammkuchen, frankophiles Fine Dining, fantastische Weine. Das beste Restaurant des Bezirks. Di–Sa 12–22 Uhr, www.rosalisbert.de
Pitnut BBQ: Authentisches American BBQ, gute Unterhaltung, beste Fleischqualität, Mi–Fr 12–22 Uhr, Sa 10–22 Uhr, pignut.de
Wein & Käse Am Freitag, 26. März, lädt die Arminushalle ab 19 Uhr zur schon legendären „Langen Nacht der Weine“, am Tag darauf folgen die Berliner Käsetage (16–22 Uhr). www.arminusmarkthalle.com/termine

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