Kommentar

„Die Böden der Tatsachen“ von Clemens Niedenthal

Ein voller Bauch diskutiert nicht gern. Aber den Magen vollgeschlagen hatten sich jene, die da ihre Vorstellungen eines kulinarisches Zeitgeists wie des gastronomischen Berlins in den Sozialen Medien diskutierten, ja ohnehin nicht. Zumindest nicht auf dem Terroir Berlin Symposium, das wiederum Grund dieser Debatte war

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Die angestammte Berliner Gastroszene, sie hatte nämlich kein allzu großes Interesse an jenem produktiven Gedankenaustausch, zu dem neben der jungen Berliner Szene (Sophia Rudolph, Micha Schäfer oder Lode van Zuylen) auch internationale Protagonisten der neuen, radikal lokalen Produktküche eingeflogen worden waren.
Es ist müßig darüber zu diskutieren, warum sich nun nicht die ganze kulinarische Hauptstadt an einen Tisch gesetzt hat. Die einen bemängelten die fehlende Transparenz der Veranstalter – und die Konferenzsprache Englisch. Die anderen fühlen sich nun darin bestätigt, dass die angestammten Berliner Gastronomen, und auch die angestammten Gastro-Kritiker, lieber, um im Bild zu bleiben, im eigenen Saft schmoren wollen.
Letztlich geht es ohnehin um etwas anderes: Will Berlin den kulinarischen Aufwind der vergangenen Jahre auf allen Ebenen und in vielen Preislagen festigen, müssen die Neuen und die Alten, die Internationalen, die Lokalen und die Brutal Lokalen über den eigenen Tellerrand schauen. Man wird sich aneinander reiben müssen. Denn auch Reibung erzeugt ja: Energie.

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