Kommentar

„Die Gesetze des Marktes“ von Clemens Niedenthal

Der wunderbare Knarf Rellöm hat einmal eine feine Zeile gesungen: „Wer immer zu spät kommt, kommt irgendwann ganz früh.“

Womit der Lauf der Welt und ihrer Phänomene eigentlich ganz gut beschrieben wäre: Alles muss einmal verschwunden sein, um später wieder da zu sein. Just so funktionieren Retro-Phänomene. Unsere Konsumkultur ist voll davon.
Der schöne Schrannenmarkt in Salzburg war übrigens der Grund, den Song von Knarf Rellöm wieder im Ohr zu haben. Ein lebendiger Wochenmarkt mit lokalen Produzenten, Bauern, Gärtnerinnen, Imkern, Wurstmachern. Das also, und so geht der urbane Mythos, ist diese selbstverständliche Lebensqualität, die Orte wie die Markthalle Neun, der Kollwitzmarkt oder ein Laden wie „Vom Einfachen das Gute“ wieder nach Berlin holen wollen.
Zum Glück hatte ich einen Salzburger an meiner Seite. Von ihm kam der dezente Hinweis, mir das Schrannenmarktreiben einmal genauer anzugucken: Es war, oh Schreck, vergreist. Alte Frauen kauften bei alten Männern alte Sorten, um in großen gusseisernen Töpfen nach alten Rezepten zu kochen. Die Jugend von Salzburg parkt derweil vor dem Einkaufszentrum. Vermutlich aber wird sich auch das in ein paar Jahren ändern. Wenn die alten Kunden verschwunden sind, die alten Händler und die alten Rezepte, dann bekommen auch die jüngeren Salzburger sicher eine Sehnsucht nach ihrem Schrannenmarkt.

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