Essen & Trinken

Rund um die Friedrichstraße: Die goldene Mitte Berlins

GendarmerieEin kurzer Blick, und dann gehen sie zögerlich weiter. Touristen am Gendarmenmarkt wissen noch nicht so recht, ob sie willkommen sind. Eindrucksvoll ist das Gebäude in der Behrenstraße, ebenso der Raum, das Interieur. 400 Qua­drat­meter groß und fast acht Meter hoch. Frankophile Romantiker füh­len sich an Restaurants erin­nert wie das in Orange, direkt am Bahnhof, in dem die Akustik zwar unterirdisch grauenvoll, aber das Essen ­– ein sagenhaftes Choucroutes ­­– gut und günstig war. Frankreich halt. Jetzt haben die Berliner eine ähnliche, doch anspruchsvollere Halle, und Josef Laggner hat damit neue Maßstäbe gesetzt.

Der Mann, der mittlerweile zu einer Berliner Legende geworden ist, frei nach dem Motto „vom Kellner zum Millionär„, nennt an allen Standorten die umliegende Gastronomie einfach „Mitbewerber„. Davon hat er mittlerweile reichlich. Am Potsdamer Platz seit geraumer Zeit wiederum recht wenige, denn eigentlich hat er fast alles aufgekauft, bis auf Food-Ketten und die Hotelerie. In der Kantstraße sind es die Gäste der Paris Bar, die das Vienna wohl seltener besuchen, während es in seiner Fischerhütte am Schlachtensee brummt, wie es im Fachjargon heißt. Der Mann aus Bad Gastein und aus einfachen Verhältnissen hat unter dem Label Lutter & Wegner mehrere Standorte in Berlin, ein paar in der Bundesrepublik, an der Ostsee eine Filiale sowie in Hamburg, in München eine Art großes Brauhaus. Am Gendarmen­markt war das Lutter & Wegner in der Charlottenstraße bisher das sogenannte Haupthaus, einige Meter weiter die Newton Bar, und wie man kürzlich erfuhr, gehört jetzt auch das Cafй Möhring am Platz zu dem Großunternehmen mit rund 40 Millionen Euro Jahresumsatz.

GendarmerieWas sagen also die „Mitbewerber“ zu Laggners großem Coup? Christian Lohse vom Zweisterne-Gourmet-Restaurant Fischers Fritz findet es großartig, brachte zur Eröffnung gleich einen Kuchen mit und war auch schon am nächsten Tag mit der Mama zum Mittagessen hier. Deutsch-französische Küche gibt es. Küchenchef Axel Burmeis­ter bietet ein täglich wechselndes Drei-Gänge-Mittagsmenü zu rund 25 Euro an und ein Mittagsgericht für 9,50 Euro. Für Gourmets, zahlungskräftige Besucher und Berufstätige der Gegend ist das ein Anreiz, eine willkommene Alternative. Das lässt die Berliner Boheme, die eher von der Hand in den Mund lebt, aufhorchen und vielleicht auch Kolja Kleeberg im Sterne­restaurant Vau. Wollen Gäste gerne an dieser Adresse sehen und gesehen werden? Das müsste wiederum Roland Mary interessieren, der zweite Mann in Berlins Gastronomielandschaft, der auch einiges bewegt hat mit Pan Asia, dem Cafй am Neuen See, dem San Nicci und der O2-Arena.

Es gibt den bezahlbaren Luxus, die Freude an großzügiger Verschwendung, ungezügelte Lebens­lust in Krisenzeiten – auch wenn es unanständig scheint. Doch mit der Gendarmerie hat Laggner einen Nerv getroffen. Trotzig und dennoch feinsinnig provoziert er mit seiner neuen Adresse: Warum sollte man denn nicht auch mal über die Strenge schlagen dürfen, verschwenderisch und öffentlich, für alle zu sehen, ohne merkwürdige Verklemmtheiten? Warum sollte jemand mit seiner Tasse Kaffee nicht auch seinen Spaß bei der Beobachtung dieses Treibens haben? Eine Demokratisierung des genusshaft Bachanalischen – „Bac­cha­nale“, so lautet auch der Titel des „größten Holzreliefs der Welt“, das dem Gast und Betrachter noch einmal Größe deutlich macht. …

Den ganzen Artikel der Tip-Redakteurin Eva-Maria Hilker lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 11/2009.

 

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