Kommentar

„Die Nudel-Holzköpfe“ von Clemens Niedenthal

Das Nudelholz heißt im Englischen Rolling Pin. Und es gibt dieses eine Motiv unter den nicht tot zu kriegenden Geschlechterrollen-klischees: Die Frau steht nudelholzschwingend hinter der Türe, während der Mann zu spät und zu betrunken nach Hause kommt

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Nun ist Rolling Pin eben auch eine deutschsprachige Gastro-Jobbörse mit dazugehörigem gerne fett auftragendem Gastro-Magazin. Und in der Welt dieses Rolling Pin sieht es aus wie in obigem Cartoon: Der Mann ist, wenn schon kein Jäger und Sammler, so doch Herr am Herd. In Zahlen ausgedrückt: Zu den 50 Köchen, unter denen Rolling Pin nun Deutschlands besten Küchenchef wählen will, gehören sieben Berliner. Aber mit Douce Steiner aus dem Hirschen in Sulzberg nur eine einzige Frau. Das könnte man jetzt als ärgerlichen Chauvinismus abtun. Oder als zynisches Zielgruppenmarketing. Richtig unappetitlich wird es aber, wenn die Berliner Bloggerin Mary Scherpe (Stil in Berlin) oder der Food-Aktivist Hendrik Haase (Kumpel & Keule) auf der Facebookseite des Magazins gesperrt werden – teilweise ohne besagte Männerbündeleien übertrieben kritisch kommentiert zu haben. Ein Presseerzeugnis übt sich also in der Pressezensur. Da bleibt einem glatt das trockengereifte Stück von dieser alten bretonischen Rinderrasse im Hals stecken, dessen Fettmarmorierung so wunderbar in die Bildwelten des Rolling Pin passt. Zu Tisch streitet es sich doch noch immer gemeinsam. Und bitte nicht nach Geschlechtern getrennt.

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