Essen & Trinken

„Einfach Essen“ von Clemens Niedenthal

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und Geschmack eben Gegengeschmack. Nachzulesen etwa im Auftakt der Serie Tagesgericht, wo unsere Autorin Manuela Blisse zur Erkenntnis kommt, dass das Tatar, also das rohe Rindfleisch, auch deshalb gerade in so vieler Munde ist, weil so viele andere Münder ganz auf den Fleischkonsum verzichten. Der Mensch hat gelernt, sich zu beziehen. Süß oder sauer. Dafür oder dagegen. Worauf ich hinaus­ will: Der Hunger auf alles Kulinarische, der gegenwärtig kulturell schmeckbar ist, hat auch ein Völlegefühl generiert. Manch einer ist satt. Zumindest vom Aufhebens, das ums Essen gemacht wird. Aber dann war ich auf einer Messe. Keine Food­messe, wie es sie – in allen lebens­stil­ästhe­tischen Färbungen – inzwischen ja im Dutzend gibt. Ich war auf der Berlin Vital, der Messe des Berliner Halbmarathons. 32?000 Menschen holen ihre Startnummern ab. Und die haben eventuell Hunger. Sie bekommen: Pommes frites, Aufbackbrezeln und Phosphat­kartoffelsalat. So gut also kann es um die Esskultur dieser Stadt nicht bestellt sein, wenn sie sofort wieder fehlt, sobald es nicht explizit ums Essen geht. Wenn es nicht gefeiert, sondern einfach nur gegessen wird. Essen ist Alltag, und da gehört gutes Essen hin. Gefunden habe ich es übrigens am Messe­stand des sympathischen Rennsteiglaufs. Danke für das Schmalzbrot und die Gewürzgurke.

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