Kommentar

„Einfach gemacht“ von Clemens Niedenthal

Vom „Einfachen das Gute“ gibt es in einem aufmerksam kuratierten Lebensmittelladen in der Invalidenstraße in Mitte. Und neuerdings in den Filialen eines Lebensmitteldiscounters.

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Und damit rund 140 Mal in Berlin. Wobei das mit dem Einfachen natürlich so einfach nicht ist.
Der eine meint damit eine Scheibe Sauerteigbrot, bestrichen mit gereifter Alpwiesenbutter, belegt mit einem Deichkäse, wie ihn nur dieser eine Familienbetrieb bei Husum hinbekommt, bestreut mit Schnittlauch, alte Sorte, urban gegärtnert. Der andere meint damit – Spaghetti: „Einfach, weil es keine rechtsdrehende Pasta aus dem Himalaya gibt, sondern nur Spaghetti.“ So heißt es in der Dicounter-Kampagne.
Nun wäre es allzu billig, das so genannte Gute gegen das Günstige auszuspielen. Es gilt vielmehr zu notieren, dass der größte Lebensmittelhändler Deutschlands das wachsende Milieu einer neuen Lebensmittelbegeisterung nicht mehr ignorieren kann. Und sich deshalb fürs Erste dazu entschlossen hat, sich über sie lustig zu machen.
Gestern hab ich es mir mal wieder einfach gemacht und war in einer dieser mehr als 140 Filialen. In einem Sonderverkaufsständer fand ich die Aprikosenmarmelade einer bekannten norddeutschen Marmeladenfabrik, ein so genanntes Markenfabrikat. „Hofladen“ stand da auf dem Glas. Irgendwie kam mir das im Vergleich mit der, nun ja, „einfachen Kampagne“ deutlich verlogener vor.

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