Abendbrot

Einsunternull in Mitte

Wie geschmiert: Das Einsunternull ist ein sehr zeitgenössisches Gourmetrestauarant. Wer sich dort jetzt auf eine Wurststulle trifft, dürfte das noch besser verstehen

Abendbrot im EinsUnterNull
Foto: XAMAX

Eine spezifische Eigenart der deutschen kuli­narischen Identität ist das Abendbrot. Vielmehr ist es das unbedingt warme Mittagessen, aus dem eben der Verzicht auf ein opulentes Nachtmahl resultiert. Mögen doch die Franzosen und Italiener allabendlich in mehrgängigen Menüfolgen schwelgen – wir schmieren uns Brote. So haben wir es gelernt.
Nun gäbe es im erst im vergangenen Winter eröffneten Einsunternull in der Hannoverschen Straße natürlich ein – bis zu zehngängiges – abendliches Menü. Und was für eines. Küchenchef Andreas Rieger interpretiert die Idee des Regional-Saisonalen als eine puristische, aber nie enthaltsame Reise zur Essenz des Geschmacks. Klare Aromen, herausragende Grundprodukte, Überraschungen, aber nie der Überraschung wegen. Dass es im Einsunternull jetzt aber auch ein Abendbrot gibt – geschmierte Stullen, milchsauer eingelegtes Gemüse, frisch geschabtes Tatar, Salami vom Reh –, hat mit dem charmanten Gastraum vor der gläsernen Küche zu tun. Abends dinnieren die Gäste ja, eben Eins unter Null, im eigens ausgehobenen Kellergeschoss.

Der obere Raum mit den bodentiefen Fenstern zur Stadt blieb also leer. Vor allem aber hat es mit jenen Menschen zu tun, die auch das Menü unten im Einsunternull so einzigartig machen: den Bauern, Gärtnern, Produzenten. Das, was da von den Beeten, Wäldern und Weiden auf den Teller kommt – exemplarisch die auf vielerlei Arten aromatischen Tomaten der Wilden Gärtnerei – muss einfach gekostet werden. Ganz pur, nonchalant, intensiv. Dass dieser Berliner Abend dabei von Hausherr Ivo Ebert persönlich kuratiert wird, zeigt noch einmal, dass die Brotzeit eine Herzensache ist. Vor allem aber hat man nach einem Biss in die Tomatenstulle, nach einer dieser unglaublich guten Gewürzgurken das Eisnunternull, eines der besten und vor allem zeitgenössischsten Restaurants der Stadt, noch einmal besser verstanden. Hingehen und zum Abendbrot unbedingt ein Schönramer trinken. Ein ganz normales, handwerklich gutes Pils.

Einsunternull Hannoversche Straße 1, Mitte, Tel. 27 57 78 10, Mo–Fr ab 17 Uhr, www.einsunternull.com

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