Kommentar

„Es geht um die Wurst …“ von Clemens Niedenthal

… oder gerade nicht. Denn genau betrachtet geht es um ihr genaues Gegenteil: um Fleischersatzprodukte. Kurz: um jene Lebensmittel-Mimikri, die wir Karnivoren an Euch Veganern immer am wenigsten verstanden haben.

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Warum reicht es nicht, etwas nicht zu essen? Warum esse ich stattdessen etwas, das so tut als ob?
Die Stiftung Warentest hat für ihr Oktoberheft vegane Fleischersatzprodukte gegessen. Und, nein, es hat den Testern nicht besonders gut, ja in vielen Fällen nicht mal „befriedigend“ geschmeckt. Drei Würste und ein Schnitzel waren gar mit Mineralöl belastet, wurden mit „mangelhaft“ beziehungsweise „ausreichend“ bewertet. Auch beim Nährstoff­gehalt übten die Prüfer Kritik, so bemängelten sie etwa generell zu viel Salz.
Bevor sich jetzt allerdings alle Karnivoren wie die Schnitzel freuen: Getestet hat die Stiftung Warentest die auf dem Markt erfolgreichsten, weil zumeist eher günstigen Fleischersatzprodukte. Und die tragen nicht selten eben jenen Markennamen, der auch auf den billigsten Bratwürsten und den günstigsten Nackensteaks steht. Und siehe: Die meisten der Testkanidaten kamen aus der rationalisieren Lebensmittelindustrie.
Verloren hat bei diesem Test also nicht der Veganismus. Verloren hat ein Ernährungsstil, der eben allzu billig ist. Und das hat weniger etwas mit dem eigenen Portemonnaie zu tun – als mit der Würde des Tieres. Oder eben der Sojapflanze.

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