Essen & Trinken

Bloggen über’s Essen: 40 Days of Eating

Foto: Franziska Taffelt / www.mitvergnügen.com/40-days-of-eating

40 Days of Eating heißt das vom gleichnamigen Blog aus New York adaptierte Projekt von Maria und Sophia Giesecke. Nachzuerleben unter www.mitvergnuegen.com

Immer noch hungrig?
Maria Giesecke: Oh je, ich detoxe erst mal. Ich will 40 Tage vegan leben, auch um wieder frei zu werden für kulinarische Erlebnisse.
Sophia Giesecke: Vor allem: keinen Alkohol. Dieses tägliche Ritual der geselligen Restaurantrunde ging echt an die Substanz. Es ist ja nicht so, dass das unser Alltag wäre.

Ein unterhaltsam inszenierter Konflikt in eurem Blog ging so: Maria, die Fleischeslustige, gegen Sophia, die Vegetarierin.
Maria: Das hatte Sophia geschickt eingefädelt, kurz vor Weihnachten zu beschließen, wieder vegetarisch zu leben. Also musste ich mich jeden Abend in die Fleischgerichte stürzen. Dabei ist das auch nicht immer und ausschließlich mein Ding, biografisch schon gar nicht.
Sophia: Stimmt, wir waren Kindervegetarier.
Maria:Höchstens mal Hähnchenbrust oder Gesichtswurst.

War das schon eine bewusste Entscheidung?
Maria: Wir hatten ja ein Vorbild, unsere Oma ist seit 30 Jahren Vegetarierin.
Sophia: Und das hat sie einfach für sich entschieden, auf dem Land in Brandenburg, ohne hippe Peergroup. Überhaupt haben wir von ihr viel mitbekommen, was das Essen betrifft.
Maria: Ich habe als Kind gesagt, Oma, wenn ich groß bin werde ich Köcherin.

Das klingt nicht nach dem Brandenburg-Klischee einer kulinarischen Diaspora.
Sophia: Das kennen wir schon auch, wobei ich das eher als typisch deutsch beschreiben würde, immer bescheiden, bloß nicht zu viel, bloß nicht zu gut.
Maria: In unserer Elterngeneration erlebe ich das heute noch. Gerade beim Essen heißt es plötzlich, das ist aber teuer.
Sophia: Essen gehen ist in Berlin dabei immer noch erschreckend günstig. Wenn man bedenkt, was und wer da alles dranhängt, vom Bauer auf dem Acker bis zum Service.

Viele der von euch besuchten Restaurants werden von Neu-Berlinern gemacht. Haben Leute mit einem anderen kulturellen Background ein anderes Verhältnis zum Essen?
Sophia: Auf jeden Fall. Berlin profitiert gerade extrem von Menschen, denen das Essen in geselliger wie kulinarischer Hinsicht einfach extrem wichtig ist. Die hören auf ihren Geschmack und rechnen nicht erstmal rum.
Maria:Diese Leidenschaft hat mich gepackt. Wo kommen die Dinge her? Was kann ich aus ihnen machen? Warum ist das so gut?

Also künftig keine Ausflüge mehr in Brandeburger Landgasthäuser.
Sophia: Von wegen. Bei Kroketten mit Sahnesoße bekomme ich sofort feuchte Augen.
Maria: Und das hat überhaupt nichts mit irgendeiner coolen Ironie zu tun, sondern mit dem warmen Gefühl glückseliger Erinnerungen.

Interview: Clemens Niedenthal

Foto: Franziska Taffelt / www.mitvergnügen.com/40-days-of-eating

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