Essen & Trinken

Essen und reden

Ich esse nicht gerne mit Menschen, die ich nicht gut kenne. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich denke dabei nicht an den ganz normalen Restaurantbesuch, bei dem am Nebentisch fremde Leute ihre Mahlzeit verspeisen – das finde ich manchmal sogar inspirierend, vor allem dann, wenn diese etwas auf dem Teller haben, das so appetitlich aussieht, dass ich es gleich selbst beim Kellner bestellen möchte. Ich denke eher an die Sitte, sich mit Geschäftspartnern oder anderen beruflichen Kontakten zum Lunch zu verabreden, um dort in „entspannter“ Atmosphäre mehr oder weniger harte Brocken durchzukauen.

Die Idee an sich ist ja nicht schlecht. Einer meiner früheren Chefredakteure etwa traf sich mit jedem potenziellen Neuzugang zur Redaktion erst mal im „Cafй Adler“ am Checkpoint Charlie, um ihn dort auf neutralem Boden unter die Lupe zu nehmen. Das suggerierte ein Gespräch auf Augenhöhe und sicherte den Gesprächspartnern zumindest die volle wenn auch nicht gerade ungeteilte Aufmerksamkeit zu. Denn wer mit Salatblatt, Pasta und Pizza kämpft, hat weder die Hände und erst recht nicht den Kopf frei – von „entspannt“ mal ganz zu schweigen. Wer nun die Hoffnung gehegt hat, dass mit gekürzten Bewirtungskosten auch die Geschäftsessen weniger werden, ist längst eines Besseren belehrt. Gegessen wird immer noch.

Neuerdings wird man „auf ein Butterbrot“ eingeladen, „auf einen Teller Spaghetti“ oder „auf ein Schälchen Gemüsesuppe“. Gerne in privatem Rahmen, alles natürlich gaaanz einfach. Zumeist erwartet den Gast dann ein ausgeklügeltes Menü, bei dem etwa Spaghetti höchstens eine Nebenrolle spielen. Die Hauptrolle aber gebührt nun dem Gast – also am besten vorher ordentlich essen, denn: Mit vollem Munde spricht man nicht.

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