Kommentar

„Fake it until you make it“ von Clemens Niedenthal

Gutes Essen ist ein Fest. Nur in seltenen Fällen allerdings ist gutes Essen ein Festival. Sie kennen das sicher: lange Schlangen und lauwarme Burger

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Mit den Fingern essen und nachher mit der Maschine waschen, was man beim mit den Fingern essen angehabt hat. Und nein, ich rede hier nicht von der Fressmeile bei Rock am Ring. Ich rede von Street-Food-Festivals.
Daran wird auch das erster Berliner Sucuk-Festival nichts ändern. Vorausgesetzt, dass es die Party rund um diese türkischste aller Würste überhaupt geben wird. Am 8. und 9. Juli. Mitten auf dem Pariser Platz. Bis dato nämlich gibt es einzig eine Ankündigung auf Face­book, wenngleich diese auch prompt von diversen Event-Portalen geteilt worden ist. Nun gibt es innerhalb der Szene zwei Theo­rien. Die erste: Das Ganze ist ein Hoax, also einfach nur ein Internet-Witz. Die zweite und wahrscheinlichere: Die Eventisierung unserer Alltags- und Esskultur hat eine neue Stufe der Professionalisierung erreicht. Partys veranstaltet man künftig „on demand“. Man behauptet sie einfach und schaut erstmal entspannt, ob sich denn genügend Follower finden. Fake it until you make it, sagen die Amerikaner (wer sonst?) zu sowas. Und immerhin: In Stuttgart verdichten sich Signale, dass es am 7. Juli tatsächlich um die Wurst gehen wird. In Berlin wohl eher nicht. Falls doch: Die erste Sucuk eines tip-Lesers geht auf mich. Versprochen.

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