Essen & Trinken

„Falsche Bärte“ von Clemens Niedenthal

Der Food-Hipster ist schon auch ein oberflächlicher Typ. Mindestens aber hat die neue Lust am Essen ein konformes Erscheinungsbild kultiviert: Jeanshemd, Vollbart, ein paar tätowierte Wildkräuer auf den Unterarmen.
Womit wir bei den Mast Brothers wären. Zwei Brüdern aus Williamsburg, New York, die. nicht nur volle Bärte haben. Sondern sogar ein Manifest. „Mach alles köstlich“, ist darin zu lesen. Oder: „Sei immer ehrlich und transparent.“ Was die Mast Brothers Köstliches machen, sind Schokoladen in handwerklich gefalteten Papierverpackungen. Crafted Design für zehn Dollar die Tafel. Der Laden läuft.
Nun aber ist um die Mast Brothers eine Debatte entbrannt, die die neue urbane Foodbegeisterung gleichsam im Kern berührt – und an ihren buchstäblichen Oberflächen. „Die Lüge hinter den Bärten“ war der alles auslösende Artikel des Bloggers Scott Craig betitelt, in dem also zu lesen war, dass der Erfolg der Mast Brothers auf hinzugekaufen Industrie-Kuvertüren fußt. Kurz darauf kam Brady Brelinski, ein bekannter Schokoladentester, zum Schluss, „dass das, was sich die Mast Brothers aufgebaut haben, am allerwenigsten mit der Qualität ihrer Schokolade zu tun hat.“  Schon kursieren im Netz Bilder, die just das beweisen sollen: Zu sehen sind zwei glattrasierte College-Boys kurz vor der Gründung ihrer Schoko-Dynastie: Nicht nur die Schokalde, auch die Hipsterbärte sind also Fake. Letzteres, so ist sich das Netz einig, sei der viel größere Betrug.

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