Essen & Trinken

Fehl am Platz

Tischmanieren sind eine gute Sache. Nicht nur an den flauschigen Damasttischdecken der Sternegastronomie. Ausgerechnet die Sternegastronomie aber leidet, auf Sylt zumindest, an den mangelnden Manieren ihrer vermeintlich wohlerzogenen Gäste. Unentschuldigtes Fernbleiben lautet das, nun ja, Kavaliersdelikt. Denn weil sich sich der moderne Genussmensch ob all der kulinarischen Möglichkeiten nicht mehr festzulegen vermag, würden oft zwei oder drei Restaurants parallel reserviert. Und nicht oder nur sehr kurzfristig abgesagt. Deshalb also stellen sechs der sieben Sylter Sterne-Restaurants künftig für jede verstrichene Reservation 50 Euro in Rechnung. Nötig sei dies auch, weil es in den Sterne-Küchen der Urlaubsinsel fast keine „Walk-ins“ mehr gebe, also ganz spontane Restaurantbesucher, die die so entstandenen Lücken füllen. Eine unserer Autorinnen übrigens wollte in der vergangenen Woche ganz spontan ein Clubrestaurant am Wannsee besuchen, dem aus für gewöhnlich geschmackssicheren Mündern ebenfalls der Griff nach den Sternen prophezeit worden war. Indes: Sie wurde hungrig nach Hause geschickt, gerade weil sie nicht reserviert hatte. Zu kompliziert und kaum kalkulierbar sei ansonsten der Wareneinkauf. Vielleicht hätte sie einfach noch ein bisschen weiter fahren sollen. Auf Sylt, so hört man, gibt es gerade ein paar sehr gute Küchen, die sich über spontane Gäste freuen.

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