Feinkostläden

Die besten Marktstände in Berlin: kulinarischer Marktbericht

Der Lockdown hat eine angegraute Institution wieder ins Zentrum der kulinarischen Stadtgesellschaft gerückt: den Wochenmarkt. Aber an welchen Ständen kauft man am besten ein? Wir haben einige der besten Marktstände in Berlin gefunden und für euch für sehr, sehr gut befunden.

Foto: imago/Lem

Wenn vor dir 45 Gramm Jagdwurst, ganz unbedingt exakt 45 Gramm Jagdwurst gekauft werden und hinter dir sich die ungeduldigen Hacken-Porsche aufstauen, weißt du: Du bist auf dem Wochenmarkt. 19-jährige Menschen wie ich sind hier – Ausnahmen wie der bio-bohemistische Kollwitzmarkt bestätigen die Regel – eher selten zu finden in diesem beschaulichen Strom der Rentner*innen. Hier sind eben Menschen mit Zeit. Und doch hat Sars-CoV2 auch die Berliner Wochenmarktszene verändert. Und da der Fluchttrieb aus der eigenen Wohnung mit jeder Woche stärker wird, wundert es nicht, dass die Märkte voller sind als je zuvor. Es ist am Ende wohl eine Mischung aus dem Wunsch nach anderen Menschen und anderen, besseren Produkten, die uns auf die Märkte lockt. Deshalb hier ein paar der wohl besten Marktstände in Berlin, für die sich definitiv auch eine längere Anreise lohnt.


Königliche Fungi bei der Pilzkönigin

Auswahl aus verschiedenen Pilzen in verschiedenen Farben, unter anderem rosa Pilze, weiße Buchenpilze und gelber Bio-Limonenseitling von der Pilzkönigin, einem der besten Marktstände in Berlin.
Aus der Zucht, nicht dem Wald, aber unfassbar aromatisch: das Sortiment der Pilzkönigin. Foto: Franz Thies

Sie ist die Queen der Pilze. Was zugegebenermaßen nicht schwer ist, wenn man sich die Pilzsituation auf den meisten Märkten vor Augen führt. Champignons gibt es immer und überall, mit Glück auch matschige Austernpilze. Bei der Pilzkönigin gibt es Klassiker wie Kräuter-Seitlinge, aber eben auch unbekannte Sorten wie Kaiserlinge oder Samthauben. Und wenn Sie die höheren Preise abschrecken, kaufen Sie sich die gleiche Menge Pilze mal woanders und rechnen dann den entstehenden Abschnitt mit in den Preis ein. Denn bei der Pilzkönigin kann man guten Gewissens die Bio-Pilze (aus deutscher Zucht) ungeputzt lassen und ihnen am besten den nötigen Respekt schenken, indem man sie mit Schalotten, Knoblauch, und Zitronenschale andünstet. Fertig.

  • Pilzkönigin Mittwoch und Samstag auf dem Karl August Markt, Charlottenburg

Kartoffelvielfalt bei Pipenhagen

Hier gibt es nur Sachen, die unter der Erde wachsen, also vor allem Kartoffeln. Und das schon seit 1961. Damit ist der Stand der älteste auf dem Charlottenburger Karl August Markt. Um die 20 Sorten bieten Frau Pipenhagen und ihre Kartoffelexpertinnen an. Alte, Neue, Dicke, Dünne, Gelbe, Rote, Blaue Sorten. Alles da. Wer keine gute Laune hat, kriegt hier welche, wer gute Laune hat, wird sie mindestens behalten. Denn dieser Stand macht glücklich. Wegen den Knollen und den Verkäuferinnen. Dabei wird am Ende aber auch nicht mehr draus gemacht, als es ist, es sind schließlich Kartoffeln.

  • Pipenhagen Mittwoch und Samstag auf dem Karl August Markt, Charlottenburg, Samstag auf dem Mexikoplatz, Zehlendorf

Hergottbescheißerle aus Schwaben bei Teig&Füllung

Foto: Teig und Füllung

Maultaschen haben nicht gerade den Ruf, ein hippes Street Food zu sein, da tun sich Berliner* innen nach wie vor schwer mit den Schwaben. Doch bei Teig&Füllung bekommt man nicht nur geballte Gastfreundschaft von Anusha Sundaresan (nicht schwäbisch) und Bruno Ebermann (schwäbisch), sondern auch die besten Maultaschen – mindestens nordöstlich von Stuttgart. Das Geheimnis hinter den nicht zu festen Herrgottsbscheißerle: Sie kommen aus dem Schwabenland. Dort fertigt Ebermanns Bruder im Betrieb seiner Eltern die „German Dumplings“. Unter dieser Voraussetzung können die Kreationen wie der extra für Hipster konzipierte Maultaschenburger (dennoch erstaunlich gut) oder die koreanische Variante gar nicht scheitern. Für uns einer der besten Marktstände in Berlin!

  • Teig&Füllung Freitag an der Preußenallee, Westend, Samstag auf dem Winterfeldplatz, Schöneberg, jede zweite Woche Donnerstag auf dem Ökomarkt Akazienstraße, Schöneberg

Vielfältige Zitrusfrüchte

Orangen in Beuteln und Körben am Zitrusfrüchte-Stand, einer der besten Marktstände in Berlin
Orange ist das neue Schwarz: Mandarinen auf dem Karl August Markt. Foto: Clemens Niedenthal

Immer leicht schläfrige spanische Verkäufer* innen bieten hier ihre Zitrusfrüchte aus Andalusien an. Jedoch nur von Oktober bis April. Das Hauptaugenmerk liegt auf den kleinen und festen Mandarinen. Am besten lagern Sie die Früchte im Kühlschrank oder Ihrer Speisekammer, wenn Sie das Glück haben, so etwas zu besitzen. Das einzige Problem: Sie werden sich danach nie wieder mit irgendwelchen Supermarkt-Mandarinen zufriedengeben und die geschmacklose Faser- Ansammlung in ihrem Mund wieder ausspucken.

  • Zitrusfrüchte Freitag an der Preußenallee, Westend, Samstag auf dem Winterfeldplatz, Schöneberg, Mittwoch und Samstag auf dem Karl August Markt, Charlottenburg

Wilde Hühner von der Wildfasanerie

Mit falscher Bescheidenheit wird hier die Ware fast schon unterm Tisch gehandelt. Dabei bietet der Stand der Wildfasanerie frisch geschlachtetes (Wild-)Geflügel aus „naturnaher Freilandhaltung“ an. Fasan, Rebhuhn, Wachtel, (Wild)-Ente, Gans und Hähnchen kann man hier zu erstaunlich fairen Preisen erhalten. Wobei „Hähnchen“ schon fast zu zart klingt für die mindestens drei Kilo schweren Riesenhühner. Um also den Familienfrieden zu bewahren, achten Sie darauf, dass Sie, wenn im Ganzen gelassen, das Hähnchen rechtzeitig in den Ofen schieben. Ich spreche aus Erfahrung. Ganze und halbe Tiere unbedingt vorbestellen.

  • Wildfasanerie Mittwoch und Samstag auf dem Karl August Markt, Charlottenburg, Samstag auf dem Breslauer Platz, Friedenaum, Samstag am Hohenzollernplatz, Wilmersdorf

Noch warme Forelle von der Fischräucherei Gehricke

Um Punkt 10 Uhr öffnet sich die verrußte Pforte des Räucherofens. Wer sympathisch guckt, kriegt dann eine noch warme Forelle. Da die Größen stark variieren, der Preis aber nicht: bei Hunger einfach dreist nach einer Großen fragen. Und: Der Räuchermeister wird es Ihnen zwar sagen, aber hier schon mal im Voraus: Am besten schmeckt geräucherter Fisch, wenn er nicht in den Kühlschrank kommt. Das heißt, Sie kaufen sich am besten gleich ein gutes Brot und frischen Meerrettich und genießen diese unterschätze Kombination sofort zu Hause. Und selbst beim besten Räucherstand kann’s mal passieren, dass der Fisch nicht überzeugt. Dann heißt es wiederkommen und noch sympathischer gucken.

  • Fischräucherei Gehricke Donnerstag am Wittenbergplatz, Schöneberg, Freitag am Leopoldplatz, Wedding, Samstag am Pfarrhaus, Lichtenrade, Freitag und Samstag auf dem Adam-Kuckhoff-Platz Markt, Kleinmachnow

Regionales Wild von Schorfheider Wild

Hingucker sind die vakuumierten Wildstücke nicht wirklich. Genauso wie der Stand mit seinem Alibi-Rosmarinstrauch. Wer darüber hinwegsehen kann, findet regionales Fleisch vom Hirsch, Reh oder Wildschwein. Und wenn Sie nun zur Mehrheit gehören, die überzeugt sind, kein Wild zu mögen: Geben Sie dem ökologischeren Fleischgenuss eine Chance! Durch die gute Beratung der Jäger*innen hinter der Theke werden auch Sie mit dem richtigen Stück glücklich werden. Denn bio hin oder her, besser als regional geschossenes Wild geht nicht. Zumal die Preise deutlich annehmbarer sind als die einer homöopathisch behandelten Demeter-Kuh.

  • Schorfheider Wild Freitag an der Preußenallee, Westend, Freitag auf dem Wilhelmplatz, Wannsee, Samstag am Mexikoplatz, Zehlendorf, Samstag am Nauener Tor, Potsdam

Ein Beitrag von unserem Autor Franz Thies.


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