Essen & Trinken

Festlich Speisen in der Spindel

Diejenige oder derjenige muss sehr willenstark sein. Der Kenner deutscher Weine ist bekannt für seine Überzeugungskunst, die er schon im Vau und in der Weinbar Rutz unter Beweis gestellt hat. Nun betreibt er seit diesem Spätsommer ein Landgasthaus in Köpenick. Er hat es samt seiner Frau Janet wunderbar entrümpelt und eine weltläufige Gemütlichkeit geschaffen. Dabei unterstreichen zum Teil die Möbel aus Clärchens Ballhaus den heimatlichen Charme.
Ein Städter auf dem Lande – na ja, in einem Außenbezirk. Und wie es so ist, waren die Einheimischen natürlich skeptisch, während die angereisten Berliner zufrieden waren. Heute zählen einige Köpenicker zu den Stammgäs­ten, und die Berliner machen immer häufiger einen Ausflug an den Müggelsee, um eigentlich in der Spindel einzukehren.
Ein weiterer Grund neben den hervorragenden Weinen ist nämlich die bodenständige, dennoch ausgefeilte Kochkunst von Jörg Eichhofer. An diesem Abend besteht das Spindel-Menü aus vier Gängen, es geht auch als Drei-Gänge-Menü. А la carte findet der Gast eine kleine Auswahl an Vorspeisen, Zwi­schen­­gerichten, Hauptgängen und als Klassiker das Wiener Schnitzel. Koch Eichhofer war vorher im Kreuzberger Jolesch. Als Gruß aus der Küche kommt ein Tellerchen mit Kalbsbeuschel und Bries in Gnocchi. Herbsäuerlich die Innereien, weich cremig die Kartoffelmasse samt der Zirbeldrüse. Dazu die Riesling-Spätlese von Eva Fri­cke aus dem Rheingau. Zur Terrine von Bouchot- und Jacobsmuscheln und die Entenconsommй mit Rilette-Crostino serviert Canis den Spindelriesling. Die Harmonie von Wein und den Aromen der Speisen stellt sich sofort ein, erkennbar die klare Handschrift von beiden Seiten: aus der Küche und aus dem Weinkeller.
Im Laufe des Abends holt Hendrik Canis immer wieder die Kinderfotos der Winzer hervor, die die servierten Weine produzieren. Das schafft Neugier und Verbindlichkeit. Zum Steinbutt, Seeigel mit Sepiaspaghetti und Saucisse lyonnaise kommt Drei Herren von Friedrich Aust, und beides zusammen ist nur ein weiterer Beweis der bereits genossenen Harmonie. Und auch der Hauptgang ist das, was er zu dieser Jahreszeit und in einem Landgasthaus sein soll. Der Paukenschlag ist einmal Schulterscherzel mit Kartoffel-Karottenstampf und Majoranbutter sowie rosa gebratene Hirschkalbskeule mit Pumpernickel, Schwarzwurzeln und Schupfnudeln. Beide Speisen werden mit einem Lemberger, Cuvйe V von 2006, zu einem rundum gelungenen Geschmackserlebnis. Sollte der Berliner also an den festlichen Tagen einen Ausflug planen, dann ist er mit Köpenick, dem Müggelsee und der Spindel sehr gut beraten. Es gibt sogar noch ein paar wenige Plätze für Weihnachten, da gibt es das Gänsemenü zum Beispiel.

Text:
Eva-Maria Hilker

Bester Tisch: am Fenster oder am Kamin
Bestes Details: die Fotowand

Die Spindel
Bölschestraße 51,
Tel. 645 29 37
Di-So 12-23 Uhr, Küche bis 22 Uhr;
Speisen 8 bis 22 Ђ, Drei-Gänge-Menü 29 Ђ, Vier-Gänge-Menü 39 Ђ;
Softdrinks ab 2 Ђ, Bier (0,3 l) ab 3,70 Ђ, Wein (0,1 l) ab 4 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 18 Ђ;
Rauchen nur draußen

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