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Frischer Fisch

Ausflug zur Fischerei Köllnitz in Brandenburg: Ein See voller Möglichkeiten

Unweit von Storkow will die Fischerei Köllnitz naturnahes Handwerk mit unserer Sehnsucht nach touristisch erfahrbaren Landschaften verbinden. Denn man ahnt, dass beides künftig vor allem gemeinsam funktioniert.

Fischerei Köllnitz Reusen
Still ruht der See. Und die Fischer der Fischerei Köllnitz versuchen, daran möglichst wenig zu ändern. Fotos: Iwona Knorr

Für einen Moment darf es ganz digital werden. Wenn Jörg Reuter über die Ausstellung sinniert, die in Köllnitz ebenfalls überarbeitet werden soll. Ist doch der gut 1.000 Hektar große Große Schauener See auch eine von der Heinz-Sielmann-Stiftung betreute Naturlandschaft. Eine virtuelle Projektion schwebt dem studierten Agrarökonom diesbezüglich vor. Der Mensch wird ganz klein und flaniert durch eine überdimensionale wilde Wiese. Eine Graswurzelbegegung. Buchstäblich.

Eigentlich aber beschäftigt sich Reuter gerade 14 Stunden am Tag mit ganz realen Projektionen. Seit Anfang des Jahres ist er Geschäftsführer für den Bereich Nature & Nutrition des Charlottenburger Immobilienentwicklers Artprojekt. Jörg Reuter ist dabei Lebensmittelmensch durch und durch. Kennen könnte man ihn aus seinem Feinkostladen Vom Einfachen das Gute in der Invalidenstraße. Ein Geschäftsmodell, das bereits für vieles steht, worum es auch in der Fischerei Köllnitz künftig gehen wird: die Wertschätzung des Handwerks, das Hinterfragen kulinarischer Statussymbole, die Wiederaneignung des Lokalen als Lebens- und, ja, auch Wirtschaftsraum.

Fischerei Köllnitz nahe Storkow: Nordisch by Nature

Die Geschichte der zuletzt als Genossenschaft geführten Fischerei Köllnitz gleicht dabei vielen Fischbetrieben im wasserreichsten aller Bundesländer: Man wurschtelte sich so durch. Fischtheke, Gastronomie, Angeltourismus, irgendwie stimmte die Rechnung am Ende des Jahres noch immer. Bis sie dann auf einmal nicht mehr gestimmt hat. „Ich arbeite ja schon lange mit Brandenburger Betrieben, etwa der Fischerei Stechlinsee zusammen und feiere deren Arbeit und Qualität, sagt Jörg Reuter, „was wachsen muss, sind professionelle Strukturen und vor allem ein Selbstbewusstsein für die eigenen Produkte und die eigene Kompetenz.“

Reuter begreift die Fischerei Köllnitz deshalb auch als edukatorisches Projekt. Und hat sich die Zahlen der Fischboutique, die die Fischerei im nahen Bad Saarow betreibt, genau angeschaut: „Die Leute sagen, sie wollen lokale Produkte und kaufen dann meistens – Lachs.“ Dabei ist der Große Schauener See als typisch Brandenburger Flachgewässer doch vor allem für seine Hechte, Aale und den Zander berühmt. Wenn er denn berühmt wäre. „Dieses Verständnis zu vermitteln, etwa, dass es auch für Fisch eine Saison gibt, darum muss es uns gehen. Aber eben auf eine selbstverständliche, genussvolle Weise.

Ein Besuch bei der mitten im Lockdown so aufwendig wie unaufgeregt umgestalteten Fischerei wird also auch künftig kein Lebensmittelseminar. Es sei denn, man bucht, als Unternehmen etwa, genau dieses Angebot: Rausfahren mit dem Fischer, den Fisch ausnehmen, selbst verarbeiten, gemeinsam essen, Übernachten im Hotel der Fischerei. Darüber hinaus überarbeitet der kulinarische Leiter Stefan Ziegenhagen gerade die Karte der Fischerstuben. Die Klassiker werden vollmundig entstaubt und das gebeizte Forellenfilet im Aquavitsud holt sich Inspirationen aus der nordischen Küche. Langfristig sind auch Fischgeschäfte in Berlin geplant. Oder besser: Geschäfte der Fischer. Geht es doch darum, den Dingen, und eben den Menschen dahinter wieder eine Identität zu geben.

  • Fischerei Köllnitz Groß Schauener Hauptstraße 31, 15859 Storkow (Mark), Mo–So 9-17 Uhr (Hofladen), www.koellnitz.de

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