Essen & Trinken

Die Fleischerei ist sowas von zurück

Grill Royal ohne Statusgehubere: Die Fleischerei ist sowas von zurück, nach langen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen. Die Küche hat den Kaltstart nach der Pause mit geradezu beiläufiger Bravour gewuppt

Die Fleischerei ist wieder da. Foto: Dan Safier

Dieser Donnerstagabend zwischen vanillegelb gekachelten Wänden hatte etwas von einem Klassentreffen. Mit dem feinen Unterschied, dass man an seine Schulzeit vermutlich nicht nur positive Erinnerungen hat. In der Fleischerei ganz am Anfang der Schönhauser Allee, dort wo sich der Prenzlauer Berg so gerne mit Mitte verwechselt, kamen die Tischgesellschaften aber unabhängig voneinander und alsbald gemeinsam ins Schwelgen: Sie erinnerten sich an das Restaurant, in dem sie doch gerade saßen.

Die Fleischerei ist die hemdsärmelige Variante des Grill Royal

Endlich, nach zwei Jahren, einem Monat und drei Tagen, ist also die Fleischerei zurück. Sanierungs- und vor allem Umbaumaßnahmen am Hinterhaus hatten sich immer wieder verzögert. Berlin ist eben eine Baustelle. In diesen nicht nur gastronomischen Dingen kriselnden Zeiten aber erzählt es schon einmal viel, dass die Stadtgesellschaft dieses Grillrestaurant ganz offensichtlich nicht vergessen hatte. Die hemdsärmelige Variante des Grill Royal, damit war und ist die Fleischerei noch immer ziemlich treffend beschrieben. Der kongeniale Gastraum, eben eine ehemalige Fleischerei, hat auch nach dem zarten Relaunch den rohen Charme des Nachwende-Berlins. Kurioserweise ist es dabei gerade das Saalhafte, das dem Grillrestaurant des umtriebigen Bernhard Hötzl (ihm gehört auch die Gärtnerei auf der Torstraße und der Weinladen Der Reblauser am Gips-Dreieck) eine angenehme Gemütlichkeit verleiht.

Der Tisch so voll wie das Lokal: ein seliger Abend in der Fleischerei. Foto: Clemens Niedenthal

Das Lässige, Nonchalante überträgt sich auch aufs Gemüt der Gäste. Die Küche hat den Kaltstart nach der Pause mit geradezu beiläufiger Bravour gewuppt. Rauchige Fritten, ein perfektes Püree und wilder Brokkoli begleiten das Chateaubriand vom Angus-Rind (600 g, 84 Euro), ein Filetstück, gleichzeitig fein und doch mit genügend Kraft für ein nachhaltiges Geschmackserlebnis. Vorweg hatten ein Burrata mit Spitzpaprika, Kapren und Salzzitrone und ein frischer Kopfsalat ganz unangestrengt gezeigt, dass diese Fleischerei nicht nur etwas vom Fleisch versteht. Und nachher: Softeis mit einem Augenzwinkern. Dazu ein herzlicher Service, der exakt zu diesem Laden passt. Und seinem, zumal für diese Nachbarschaft, unaufgeregten Publikum.

  • Die Fleischerei Schönhauser Allee 8, Prenzlauer Berg, tgl. 17.30–23 Uhr, Lunch folgt bald, Website

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