Essen & Trinken

„Food?Porn“ von Clemens Niedenthal

Essen hat aber auch ganz mittelbar etwas mit unserem Körper zu tun. Das weiß jeder, der zuletzt mal vor einem Zeitschriftenregal gestanden hat. Es gab eine Zeit, da kannte der kulinarische Journalismus nur ein Motiv: den arrangierten Teller. Gut, „Der Feinschmecker“ hatte hin und wieder auch einen Feinschmecker auf dem Cover. Luciano Pavarotti beispielsweise oder Peter Ustinov. Stand also gerade die Leibesfülle für den guten, will sagen kompetenten Esser? Heute gibt es – vom „Vegan Magazin“ bis zum „Beef!“ – ganz viele, scheinbar ganz unterschiedlich positionierte Food-Magazine. In einem aber sind sie sich fast alle gleich. In den Abbildungen junger, schlanker, tätowierter Menschen. Hedonisten am BBQ-Smoker wie an der Rohkostraspel. Alle sehen ganz, ganz lecker aus. Im vergangenen Heft hatte ich einen Bierexperten interviewt. Einen fürchterlich netten und fürchterlich kompetenten noch dazu. Der sehe doch aber allzu normal aus, war die erste Reaktion in der Redaktion. So ganz ohne Vollbart, ohne Hopfendolden-Tattoo und ohne Schiebermütze. Vielleicht ist das die gute Nachricht: Beim Essen sollte es immer noch ums Essen gehen. Und auch manch schick fotografierter Teller schmeckt letzten Endes ganz fad.

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