Essen & Trinken

Forsthaus Paulsborn im Grunewald

Paulsborn_Biergarten1_c_Wolfgang_BruecknerAlleine, wie es da wie eine Trutzburg im Grunewald steht. Neben dem Schloss, neben dem See, neben der großen Stadt, die hier schon immer Zerstreuung und Erholung fand. Es riecht nach Holz, aus dem Kamin und dem Wald. Ein ausgestopfter Fuchs begrüßt die Gäste. Darüber ein Schild aus Mauerstadtzeiten: ­Sonderbusse zum Forsthaus Paulsborn 40 Pfennig.

Lohnt sich der Ausflug nun also wieder? Seit dem Osterwochenende jedenfalls machen sich Johanna Wahlig und ihr Team daran, den alten Mythos neu zu beleben. Jene Johanna Wahlig, die ja bereits einen anderen Mythos begründet hatte. Der Bundes­pressestrand, das war ihre Idee. Ideen für das Forsthaus Paulsborn hatte sie augenscheinlich auch. Eine dezente Verjüngungskur, die dem Ort mit dem in die neue Zeit geretteten Geweihlüstern das Verstaubte nimmt, ohne ihm das Charakteristische zu rauben. Küche und Service taten sich so frisch nach der Eröffnung indes noch schwer mit diesem Spagat. Das Weißbrot kam von der buchstäblichen wie sprichwörtlichen Stange. Die Topfen­knödel zum an sich fein abgestimmtem Ingwer-Erdbeer-Rhabarber ­(sieben Euro) schmeckten nach Tiefkühlware.

So wünscht man dem Forsthaus Paulsborn also eine entschiedenere Positionierung. Entweder ein pointierteres Bekenntnis zu einer modernen Wild- und Waldküche. Oder ein entschlossenes Vertrauen in eine handfeste (aber unbedingt handgemachte) Ausflugskulinarik. Ein gutes Schnitzel, ein gutes Backhendl, ein gutes Wildragout. Letzteres immerhin findet sich tatsächlich auf der Karte, garniert mit vorzüglichen Esskastanien zudem. Mit 16,50 Euro ist dieses wilde Pastagericht aber selbstbewusster, als es die Küche bis dato ist. Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal einfach die Wildbratwürste oder die haus­gemachte Boulette (je vier Euro) draußen im Biergarten probieren. Die jedenfalls sahen zum Anbeißen aus.

Text: Clemens Niedenthal

Foto: Wolfgang Brückner

tip-Bewertung: Zwiespätlig

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