Essen & Trinken

Frischer Wind in Köpenick

Feine_Dahme_c_jan_wirdeier_hipiWiebke Lüftner sitzt auf der Terrasse ihres Cafйs Feine Dahme mit Blick übers Wasser und die Köpenicker Altstadt am anderen Ufer. Pure Idylle? „Spannend wird es, wenn auf der Brücke rechts das Verkehrschaos ausbricht oder zwei Boote kollidieren. Darum ist das Cafй beliebt für Blind Dates, denn die Aussicht liefert immer Gesprächsstoff“, lacht die gebürtige Berlinerin. Besonders groß ist die Freude, wenn das Treffen ohne Crashs verläuft und die beiden später als Paar wiederkommen. Die Feine Dahme hat Wiebke Lüftner 2010 eröffnet. „Ich habe früher im Marketing- und Werbebereich gearbeitet, und bei einem Punkrock-Label. Dann habe ich mich schwer verliebt, wir sind nach Köpenick gezogen und haben ein Kind bekommen.“ Gemeinsam mit ihrer Familie wohnt sie direkt um die Ecke vom Cafй. Das Gebäude entdeckte sie zufällig und war sofort verliebt in das Häuschen am Ufer. Vorgabe war allerdings, dass es gastronomisch genutzt werden müsse, schon vorher beherbergte es ein kleines Cafй. Trotz fehlender Erfahrung in der Gastronomie entschloss sich Lüftner, es zu versuchen. „Backen konnte ich schon immer gut, aber in solchen Mengen wie hier ist das nochmal was anderes. Das und vieles andere hat sich mit der Zeit ergeben, das war viel learning by doing.“

Die Feine Dahme ist eine Sommeradresse: „Wir haben es auch mal im Winter versucht, aber das funktioniert nicht.“ In der warmen Jahreszeit zieht es dafür ein bunt gemischtes Publikum auf die Uferterrasse. „In der Nähe ist ein Skatepark, deshalb kommen manchmal junge Punks auf einen Kaffee vorbei, aber auch viele Familien mit Kindern oder ältere Leute“, erzählt die Inhaberin. Die kleinen Gäste bekommen eine Schwimmweste verpasst und können so gefahrlos am Wasser spielen. Größere haben manchmal die Gelegenheit, bei den Terrassenlesungen Promis wie Oliver Kalkofe vor kleinem Publikum zu erleben.Lüftner selbst hält ihre Wahlheimat Köpenick gerade für Kinder für optimal. „Von überall her sind es nur wenige Minuten zum Wasser und zum Wald, das ist das totale Kontrastprogramm zum Kollwitzplatz.“ Im Prenzlauer Berg hat sie selbst viele Jahre gewohnt. Doch in ihrem Umfeld ziehen in den letzten Jahren viele gebürtige Köpenicker zurück in den Heimatbezirk. „So zwischen 20 und 30 haben sie in den zentralen Bezirken gewohnt, jetzt gründen viele eine Familie und kommen zurück“, hat Lüftner beobachtet.

Überquert man vom Cafй aus die Brücke zur Altstadt, und geht vorbei an Schloss und Rathaus, gelangt man schnell zu einem kleinen Laden in der Grünstraße. Hinter dem Schaufenster der Chocolaterie Catherine werden seit 2010 feine Schokoladen und Pralinen hergestellt und verkauft. Im angeschlossenen Cafй bietet Inhaberin Kathrin Weimar Schokoladen- und Kaffeespezialitäten an. „Es geht um handgemachte Produkte, um Handwerk mit langer Tradition. Das passt sehr gut hier in die Altstadt“, findet sie. Weiter durch die Altstadt Richtung Osten und dann in südlicher Richtung am Wasser entlang liegt mit dem Flußbad Gartenstraße einer der schönsten Sandstrände im Bezirk. Dazu gehört das Restaurant und Cafй Krokodil. Bereits seit 14 Jahren wird auf der großen Holzterrasse direkt am Wasser gegessen, getrunken oder Jazz- und Blueskonzerten gelauscht.

esswirtschaft_c_jan_wirdeier_hipiKontrastprogramm zur Natur­i­­dylle um die Köpenicker Altstadt herrscht in Adlershof. Dieser Teil des Bezirks ist geprägt von wissenschaftlichen Einrichtungen. Mittendrin hat sich die Esswirtschaft als Anlaufpunkt etabliert. Der gläserne Kubus ist in ein Ensemble aus zwei historischen Gebäuden integriert und bildet das Zentrum einer großen Freifläche im Ende 2010 eröffneten Kongresszentrum Forum Adlershof. Täglich stehen gesunde, frische Speisen und Snacks auf der Karte. „Wir wollen sowohl Studenten als auch Arbeitnehmern gerecht werden, das ist natürlich eine Herausforderung, etwa für die Preisgestaltung“, erklärt Betriebsleiter Robin Möricke die besonderen Anforderungen des Standorts. Zurück ans Wasser geht es in Friedrichshagen, im östlichen Teil des Bezirks. Vom S-Bahnhof Friedrichshagen fast bis zum Ufer des Müggelsees reicht die Flaniermeile des Kiezes, die Bölschestraße. Hier hat Hendrik Canis mit der Spindel 2008 seine Idee vom eigenen Restaurant verwirklicht. Nach vielen Jahren in angesagten Mitte-Adressen wie dem Vau und der Weinbar Rutz zog es ihn nach Köpenick. An eine Adresse mit Tradition übrigens: In dem kleinen Gründerzeithaus war zu DDR-Zeiten schon eine legendäre private Kneipe untergebracht, deren Namen Canis für sein Restaurant übernommen hat. „Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit reif ist, hier etwas zu machen. Im Nachhinein betrachtet waren wir vielleicht noch etwas zu früh dran, mittlerweile läuft es aber sehr gut.“ 

Einfache, frische Küche mit hochwertigen Zutaten und guten Weinen lautet das Konzept. „Als wir damals angefangen haben, war die meiste Gastronomie in der Gegend eher auf Ausflügler ausgerichtet, es wurde viel mit Tiefkühl- und Dosenprodukten gearbeitet.“ Mit der Spindel fiel der Startschuss zum Aufschwung. Hendrik Canis selbst lebt mit seiner Familie schon seit 12 Jahren in Köpenick, und hält seine Nachbarschaft für den schönsten Teil der Stadt: „Überall ist man schnell am Wald oder am Wasser, man hat seinen Kiez, seinen Fleischer, seinen Bäcker vor der Tür, es ist dieses dörflich-städtische, was Friedrichshagen und auch den Rest von Köpenick ausmacht.“

Text: Lene Bayerlein

Fotos: Jan Wirdeier /HIPI

Cafй Feine Dahme Gutenbergstraße 7, Köpenick, Tel. 51 64 86 47, www.feinedahme.de, Di-So ab 9 Uhr

Chocolaterie Catherine Grünstraße 17, Köpenick, Tel. 68 32 76 28, www.chocolaterie-catherine.de, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-16 Uhr, So ab 14.30 Uhr, Urlaub 14.7. bis 7.8.

Krokodil Gartenstraße 46-48, Köpenick, Tel. 65 88 00 94, www.der-coepenicker.de, Mo-Sa ab 16 Uhr, So ab 11 Uhr Brunch

Esswirtschaft Rudower Chaussee 24, Adlershof, Tel. 70 03 35 93, www.esswirtschaft.de, Mo-Fr 10-18 Uhr

Die Spindel Bölschestraße 51, Friedrichshagen, Tel. 645 29 37, www.spindel-berlin.de, Di-So 12-14.30 Uhr, Sonntagmittag auch länger, abends jeweils ab 18 Uhr

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