Kommentar

„Gast war gestern“ von Clemens Niedenthal

Gäste können nerven. Dafür gibt es gute Gründe. Einer steht auf den Aufklebern mit der durchgestrichenen Buchstabenfolge AfD, zu finden zum Beispiel an der „harten“ Tür des brutal-lokalen Nobelhart & Schmutzig

Und es gibt, nun ja, zumindest diskutierbare. Bei jenen Pollern etwa, mit denen eine Kaffeerösterei in der Schönhauser Allee Kinderwagen aussperrt.
Neu sind nun allerdings Restaurants, die sich a priori gegen Gäste wehren, ganz unabhängig von ihrer politischen Haltung oder ihres Familienstands. „Ghost Restaurants“ heißen solche Läden in New York, wo es bereits mehrere Dutzend davon geben soll. Bis zu 50 Köche, aber kein einziger Gast. Zumindest keiner, der physisch anwesend ist.
All das hat, wir ahnen es, mit der virtuellen Revolution zu tun. Solche Läden kochen einzig und allein für Lieferdienste. Sie liefern lauwarm nach Hause, was unten in den Straßen angeblich gerade der heißeste Trend ist. Und geben sich dafür den Anschein authentischer Street-Food-Credibility. „Butcher Block“ heißt da die Sandwich-Manufaktur, die vor allem eines ist: das Label eines Investors, der gleich 14 solcher „Restaurants“ betreibt. Wegen der Synergieeffekte bei Marketing und Logistik. Das kann man doof finden. Oder man kann einfach öfter selber kochen. Und vor allem öfter essen gehen. Draußen, in der richtigen Welt. Kneipenbekanntschaften jedenfalls hat man noch selten auf dem Sofa gemacht.

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