Essen & Trinken

Gastgeber Klaus Peter Kofler

kp_koflerFast ist er ein wenig gekränkt, wenn man behauptet, dass er und sein Unternehmen erst Anfang des Jahres mit Pret a Diner in Berlin so richtig angekommen sind. Klaus Peter Kofler reagiert sehr höflich. „Ihre Wahrnehmung ist interessant und nicht ganz die unsere. Aber sie entspricht wohl schon generell der der Berliner.“ Zugegeben: Kofler & Kompanie sind bereits seit zehn Jahren in Berlin tätig. Und zwar sehr erfolgreich. Doch muss der Mann aus Bad Homburg und jüngster Spross eines Traditionsunternehmens (Die Stadtbäckerei Kofler war 1823 Hoflieferant des Kaisers), eingestehen, dass das Pop-up-Restaurant Pret a Diner Anfang des Jahres in Berlin einiges nach sich gezogen hat. Zunächst das so genannte Treehouse in Frankfurt, ein temporäres Restaurant im 24. und 25. Stockwerk eines Hochhauses, dann ein Pret a Diner in London, das zwei Tage nach der Ankündigung bei Facebook bereits ausverkauft war. Und gerade ist er in New York, denn es gibt eine Anfrage, ob Kofler dort etwas Ähnliches aufziehen will.

KP, so nennen ihn alle, die mit ihm zu tun haben, hat sehr schnell das Vorurteil ausgeräumt, Catering sei die Verkostung von großen Menschenmassen. So etwas wie Flugzeugverpflegung. „Das ist unsexy! Und eigentlich war ich der Meinung, dass ein Dinner für die englische Königin oder das Abendessen zur Grundsatzrede von Angela Merkel, als sie Bundeskanzlerin geworden ist, oder auch das Fest nach der Inthronisierung des Bundespräsidenten so etwas wie die Champions League des Geschäftes bedeutet.“ Aber das wird von der Öffentlichkeit nicht wirklich wahrgenommen. Und ob er nun in Abu Dhabi ein großes Event für die FIFA unter den maßgeblichen Spielregeln des mittleren Osten realisiert – das erregt hier kein großes Aufsehen.

Auch eher unbemerkt übernahm KP mit seiner Kompanie die Organisation und Realisation der Jubiläumsfeier des Jüdischen Museums im Oktober, und zwar in der Halle des Blumengroßmarktes. Ungewöhnliche Orte gehören zu den Grundbausteinen seines Erfolges, „und das ist das Einzigartige in Berlin. Dass es im Gegensatz zu allen anderen Metropolen Europas hier eben noch Platz gibt.“ Und warum nun Gastronomie in Museen? „Ganz einfach, weil sie über spektakuläre Räumlichkeiten verfügen. Wenn wir über das Feiern von Festen sprechen, dann ist das Erste immer der Ort und nicht der Caterer. Wenn man das miteinander verbinden kann, dann ist das ideal.“ Kurzfristig hätte sich das Angebot ergeben, die Gastronomie des Jüdischen Museums zu übernehmen. Gerade ist Kofler & Kompanie noch am Konzipieren. Im Frühjahr wird es eine neue Gastronomie in der Lindenstraße geben.

Auch tickt ein Museumsbe­sucher anders als der „normale Gast“ in einem Restaurant. Die Besucher im Jüdischen Museum Berlin müssen durch Sicherheitskontrollen gehen und kommen somit nur, wenn sie das Museum besuchen wollen. Im Gegensatz dazu ist das Deutsche Historische Museum auch ohne vorherigen Museumsbesuch begehbar. Das Bode Museum wiederum hat aufgrund der baulichen Begebenheiten keine Küche. Man muss zudem wissen, mit wem man es als Besucher zu tun hat und darauf das Angebot zuschneidet. „Das Angebot muss schnell sein, der Gast der Museumsgastronomie bleibt nur 30 bis maximal 45 Minuten.“ Es reicht nicht aus, etwas anzubieten, was „sophisticated“ ist, es muss auch den Ansprüchen aller Gäste gerecht werden. Zumal ja auch Schulklassen und Gäste aus vielen unterschiedlichen Kulturen unter den Gästen sind, die alle ihre eigenen kulinarischen Ansprüche haben. „Hoch innovative Gastronomiekonzepte lassen sich in der Museumsgastronomie nur schwerlich umsetzen. Heute gibt es zwei unterschiedliche Arten von Gästen.“ Zum einen diejenigen, die nur wenig Zeit haben und nach ihrem Besuch Kleinigkeiten wie Kaffee und Kuchen genießen und anschließend schnell weiterziehen – zum Beispiel Schulklassen oder touristisch geführte Gruppen.

Zum anderen gibt es Gäste, die ihren Museumsbesuch vorab planen und danach ausgiebig essen wollen und sich dafür Zeit nehmen. Mit diesem speziellen Verhalten der Museumsbesucher hat auch Sarah Wiener gelernt umzugehen. Denn auch sie musste feststellen, dass Museumsbesucher wie in der Akademie der Künste mit fünf unterschiedlichen Brotsorten beim Frühstück überfordert sein können. Und wie ist Koflers Einschätzung seiner sogenannten Mitbewerber? Angeblich soll es 500 Unternehmen in Berlin geben, die das Wort Catering oder Party-Service in ihrem Namen führen. „Die Menge der Caterer, die größere Veranstaltungen machen, ist in Berlin größer als in anderen Städten“, bestätigt er. „Der Wettbewerb ist taff hier.“

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Mary-Ann Weber / HIPI

Bode-Museum Am Kupfergraben, Eingang: Monbijoubrücke, auf der Museumsinsel, Mitte, Tel. 266 42 42 42, www.smb.museum

DHM (Deutsches Historisches Museum) Unter den Linden 2, Mitte, Tel. 20 30 44 44, www.dhm.de

Jüdisches Museum Lindenstraße 9-14, Kreuzberg, Tel. 25 99 33 00, www.jmberlin.de

Kofler & Kompanie Linkstraße 12, Tiergarten,  Tel. 25 92 89 – 0, www.koflerkompanie.com

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