Essen & Trinken

Gut und günstig essen in Berlin – Teil 3

hamyVietnamesisch

Milde ist die neue Schärfe
Kamen die meisten westdeutschen Gastarbeiter aus der Türkei und Italien, waren die bis zum Fall der Mauer auf 60.000 angewachsenen Vietnamesen noch vor den Polen die größte ausländische Volksgruppe in der DDR. Die mussten allerdings manches über sich ergehen lassen. Neben einer ständigen Bespitzelung durch die Stasi wurden sie bei der Integration nicht unterstützt, und sogar der Kontakt mit DDR-Bürgern war nicht gerne gesehen. Die Restriktionen reichten so weit, dass schwangere Vietnamesinnen zur Abtreibung gedrängt oder zurückgeschickt wurden. Trotzdem blieben viele und bereichern heute die Berliner Gas­tronomie.

Die von den ehemaligen Besetzern aus Frankreich inspirierte vietnamesische Küche unterscheidet sich durch ihre bekömmliche Milde von der häufig scharfen Zubereitung vieler asiatischer Nachbarn. Reis (ob als Korn oder als Reisnudeln) ist auch in Vietnam, dem zweitgrößten Reisexporteur der Welt, Hauptnahrungsmittel und findet sich in ziemlich jeder landestypischen Gerichte-Variante. Auffällig bei den Berliner Vietnamesen ist die eher klein gehaltene, übersichtliche Karte.

So auch bei Hamy in der Neuköllner Hasenheide gegen­über von Huxleys Neuer Welt. In eher trashigem Ambiente, das von der den Raum dominierenden, offenen Garküche dominiert wird, weisen Karte und Wochenkarte zusammen nicht mal zwei Handvoll Gerichte auf. Neben einigen Topfgerichten, wie sie hauptsächlich im Norden des Landes bereitet werden, ist auch einer der Klassiker der vietnamesischen Küche die klare Nudel-Fleisch Suppe Pho. Die kombiniert traditionell entweder „Ga“ (Huhn)- oder „Bo“ (Rind)-Brühe mit der landestypischen Fischsauce Nuoc Mam, die aus Anchovis und anderen fermentierten Kleinfischen gewonnen wird, Limonensaft und viel Koriander zu einer ebenso günstigen, wie schmackhaften und sättigenden Suppe, mit der Hamy tagtäglich wahre Horden von Gästen anlockt.

Text: Denis Demmerle

Hamy Cafй Hasenheide 10, Kreuzberg, tgl. 12-24 Uhr, Küche bis 23.30 Uhr, Tel. 61 62 59 59, www.hamycafe.de

Weitere Empfehlungen
:
TuBi Leibnizstraße 62, Charlottenburg, Mo-Fr 12-15 + 17.30-23 Uhr, Sa+So 13-23 Uhr, Tel. 30 83 14 48
Suno Karl-Liebknecht-Straße 13a, Mitte, tgl. 11.30-23 Uhr, Tel. 20 09 54 73, www.suno-berlin.de
Monsieur Vuong Alte Schönhauser Straße 46, Mitte, tgl. 12-24 Uhr, Tel. 99 29 69 24, www.monsieurvuong.de
Good Morning Vietnam 2 Bergmannstraße 102, Kreuzberg, tgl. 12-24 Uhr, Tel. 62 90 13 77
Viet Bowl Straßmannstraße 41, Friedrichshain, tgl. 11.30-23 Uhr, Tel. 42 01 49 42, www.vietbowl.de

kurhausWirtshäuser

Maßvolle Portionen
Als Gast in einem Kurhaus würde man eigentlich leichte, kalorienarme Kost erwarten, Wellness auf dem Teller. Im Korsakow trifft das Gegenteil zu, die Speisekarte liest sich winterlich-deftig: Schweinebraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen, Königsberger Klopse mit Rote-Bete-Salat, Leber mit Stampfkartoffeln, gebratenen Zwiebelringen und Apfelschnitzen. Mit den dunklen Holzmöbeln, vertäfelten Wänden und dem kneipigen Tresen ist das Restaurant mehr Wirtshaus als Kurhaus. Auf den ersten Blick wird klar, worum es geht: nicht um Wellness-Küche oder kulinarische Experimente, sondern um deutsche Hausmannskost, solide und bodenständig. Was nicht heißen soll, dass in der Fried­richshainer „Schank- und Speisewirtschaft“ nur Eintöpfe und Buletten gereicht würden. Aufgetischt werden Klassiker der Berliner Küche, täglich frisch zubereitet, wobei viele Produkte aus der Region verwendet werden. „Wir kennen die meisten Lieferanten persönlich und achten beim Einkauf darauf, dass die Qualität dauerhaft stimmt“, sagt Crispin Prill, Assistent der Geschäftsführung.

Gute Qualität, moderate Preise – das funktioniert, weil in der Küche bei der Portionierung der Speisen nicht übertrieben wird. Prill: „Bei uns gibt es maximal 220 Gramm Fleisch pro Gericht. Die Teller sollen nicht halbvoll zurückkommen.“ Dass das Konzept erfolgreich ist, liegt auch am Standort. Als die Kurhaus-Wirte vor drei Jahren nach einem geeigneten Ort für ihr gastronomisches Projekt suchten, stellten sie fest, dass es im Friedrichshainer Ausgehkiez rund um den Boxhagener Platz zwar etliche mediterrane und fern­östliche Restaurants gab, aber wenig deutsche Küche. Diese Marktlücke hat das Kurhaus erfolgreich besetzt. Besonders günstig ist das Restaurant übrigens dienstags. Am „Familientag“ kosten alle Hauptgerichte fünf Euro.

Text: Oliver Burgard

Kurhaus Korsakow
Grünberger Straße 81, Friedrichshain, Di-Fr ab 16 Uhr, Sa+So ab 9 Uhr, Küche 16-23 Uhr, Tel. 54 73 77 86,
www.kurhaus-korsakow.de

Weitere Empfehlungen:
Joseph-Roth-Diele Potsdamer Straße 75, Tiergarten, Mo-Fr 10-24 Uhr, Küche 12-23 Uhr, Tel. 26 36 98 84, www.joseph-roth-diele.de
Altes Europa Gipsstraße 11, Mitte, tgl. ab 12 Uhr, Küche Mo-Fr 12.30-15 + 18.30-23 Uhr, Sa+So 14-23 Uhr, Tel. 28 09 38 40, www.alteseuropa.com
Schmucks Restauration Am Köllnischen Park 1, Mitte, Mo-Fr 7-18 Uhr, Tel. 22 33 65 17, www.schmucks-restauration.de
Schusterjunge Danziger Straße 9, Prenzlauer Berg, tgl. 11-24 Uhr, Küche bis 23.30 Uhr, Tel. 442 76 54
Bötzow Privat Linienstraße 113, Mitte, tgl. ab 10 Uhr, Küche bis 1 Uhr, Tel. 28 09 53 90, www.boetzow-privat.de

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