Essen & Trinken

Gut und günstig essen in Berlin – Teil 5

DADA_FalafelArabisch

Erbsenerzähler
Gerne erzählt Salah Azzeaz die Legende von der Entstehung des Falafel: Ein arabischer König erkrankte wegen übermäßigen Fleischkonsums an Gicht und musste daraufhin seine Lebensweise ändern. In einem Wettbewerb sollten Untertanen für ihn ein Gericht kreieren, das ihm den Verzicht erleichterte. Nach vielen Misserfolgen überzeugte den König schließlich ein armer Mann, der als Zutat lediglich über Kichererbsen verfügte: Er verarbeitete das günstige Grund­­nahrungsmittel mit Kräutern zu kleinen, gebackenen Bällchen. Die Zutaten für Falafel, die in den Küchen Nordafrikas, Israels und des arabischen Raums zu finden sind, sind also traditionell preiswert. Dennoch sind die frittierten Kichererbsenkugeln eigentlich kein besonders billiges Gericht. Die täglich frische Herstellung ist aufwendig und kostet viel Zeit, sodass die Portion eigentlich teurer sein müsste, erklärt Inhaber Salah Azzeaz. Bei ihm werden neben dem Falafel auch alle Soßen und Pasten hausgemacht, das Fleisch auf dem Schawarmaspieß von Hand geschichtet. Dennoch versucht er die Preise niedrig zu halten, denn „die Leute haben einfach nicht so viel Geld“.

Das Falafelrezept des Imbisses in Mitte ist eine Eigenkreation des Chefs: Koriander, Porree, Zwiebeln, Knoblauch, Dill und Petersilie werden mit den pürierten Hülsenfrüchten gemischt. Die Mischung ist eine Kombination der je nach Land und Region unterschiedlichen Zubereitungsweisen. Salah Azzeaz selbst stammt aus dem Irak und hat vor zehn Jahren seinen Laden in Berlin eröffnet. Ursprünglich sollte in den Räumen Schauspielunterricht stattfinden, denn eigentlich ist er von Beruf Schauspieler und Regisseur. Doch bald kam die Idee hinzu, den Berlinern frisches, selbstgemachtes Essen anzubieten. Heute steht Salah Azzeaz täglich in der Küche und inszeniert im Nebenraum, der auch als Galerie dient, dadaistische oder surrealistische Theaterstücke, zuletzt „Die Zofen“ von Jean Genet. Auf den Punkt gebracht wird das Konzept von Dada Falafel durch ein Zitat von François de La Rochefoucauld, das im In­nenraum auf der dunkelroten Wand prangt: „Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst“.

Text: Lene Bayerlein

Dada Falafel Linienstraße 132, Mitte, tgl. 9-2 Uhr, Tel. 27 59 69 27, www.dadafalafel.de

Weitere Empfehlungen:
Baharat Winterfeldtstraße 37, Schöneberg, So-Do 11-2 Uhr, Fr+Sa ab 11 Uhr, Tel. 216 83 01
Habibi I Goltzstraße 24, Schöneberg, So-Do 11-3 Uhr, Fr+Sa 11-5 Uhr, Tel. 215 33 32
Sufis Yorckstraße 82, Kreuzberg, So-Do 11-1 Uhr, Küche bis 1 Uhr, Tel. 786 15 60, www.sufis-berlin.de
The King of Falafel Mo’s kleiner Imbiss, Graefestraße 9, Kreuzberg, tgl. 13-23 Uhr, Tel. 74 07 36 66
Qanjary Neue Bahnhofstraße 3, Friedrichshain, tgl. 11-24 Uhr, Tel. 53 08 63 22

GluehwurmSchwäbisch

Klassische Sparsamkeit
Schwaben sind bekanntlich sparsame Leute. Die aber gern in der „Beiz hocke und schwätze“, was Gutes essen und genüsslich ihr „Viertele schlotzen“. Kein Wunder, dass sich in Berlin etliche Stätten schwäbischer Gastlichkeit etabliert haben, die nicht nur Exil-Schwaben mit Maultaschen und Lemberger glücklich machen. Doch der Preis muss stimmen und die Qualität passen. Dabei hilft, dass die schwäbische Küche eine grundsolide ist, die auf Teuerzutaten und Edelprodukte gut und gern verzichten kann. So braucht es für den Klassiker Maultaschen nur eine Tasche aus Nudelteig und eine Füllung aus Brät, Spinat, Zwiebel und Brötchen – die zahlreichen handfesten Varianten sind ebenso flugs bereitet. Im gemütlichen Glühwurm von Jörg Rometsch, einem gebürtigen Schwaben aus Mühlacker, kommen die hausgemachten, wohlschmeckenden Taschen z.B. als „Schwabenglück“ in der Brühe für 6,40 Euro oder, besonders beliebt,  mit geschmelzten Zwiebeln und schwäbischem Kartoffelsalat auf den Tisch.

Mit Letzterem hat Rometsch sogar schon in der Sendung „Wissenshunger“ auf Vox einen Sieg eingefahren. „Ich arbeite so viel wie möglich selber mit, spare so Personal und kann dadurch günstige Preise anbieten“, erläutert der Schwabenwirt sein Konzept. Das gilt auch für die unaufwendigen, klassischen Linsen  mit Spätzle, geräuchertem Bauch und Saiten, der schwäbischen Version des Wiener Würstchens, die für ein wohliges Bauchgefühl sorgen; saftig der Schweinebraten mit viel Sauce, ordentlich Spätzle, natürlich immer handgeschabt, und Kartoffelsalat obendrein. Zusammen mit einem Viertele trocken-fruchtigem Trollinger ist das eine runde Sache, doch auch das nicht alltägliche Memminger Pils ist frisch gezapft ein guter Bratenbegleiter. „Die Weine beziehe ich direkt vom württembergischen Winzer Baumgärtner und kalkuliere sie so knapp wie möglich“, erklärt Rometsch, der dabei besonders an seine zahlreichen Stammgäste aus dem Kiez denkt und an alle, die gern länger in einer anständigen Beiz hocken.

Text: Uwe L. Leeman

Restaurant Glühwurm Handjerystraße 77, Schöneberg, Mo-Fr ab 12 Uhr, Sa+So ab 10 Uhr, Tel. 85 10 25 98, www.restaurant-gluehwurm.de
 
Weitere Empfehlungen:
Schwarzwaldstuben Tucholskystraße 48, Mitte, tgl. ab 9 Uhr, Tel. 28 09 80 84
Maultaschen Manufaktur Lützowstraße 22, Tiergarten, tgl. ab 17 Uhr, Küche bis 22.30 Uhr, Tel. 0178-564 76 45,
www.maultaschen-manufaktur-berlin.de
Hirsch Kopernikusstraße 3, Fried­richshain, tgl. ab 16 Uhr, Küche ab 17.30 Uhr, Tel./Fax 29 66 32 96, www.hirsch-friedrichshain.de
Spätzleexpress Wiener Straße 14a, Kreuzberg, tgl. 12–22 Uhr, Tel. 69 53 44 63, www.spaetzleexpress.de
Weitzmann Lüneburger Straße 390, Eingang Restaurant: Joachim-Karnatz-Alle, Tiergarten, Restaurant: Mo-Mi 18-23 Uhr,
Do-So 18-24 Uhr
, Imbiss: Mo-Fr 11-23 Uhr, Sa+So 15-23 Uhr, Tel. 394 20 57, www.weitzmannberlin.de

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