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Kommentar

„Heut’ mach ich mir kein Abendbrot …“ von Clemens NiedenthaL

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Wolfgang Neuss, mindestens der späte Wolfgang Neuss, hat ja bekanntermaßen eher geraucht als gegessen. Illegale Substanzen zumeist. Dennoch hat er der deutschesten aller Mahlzeiten ein schönes Bonmont gewidmet: „Heut’ mach’ ich mir kein Abendbrot, heut mach’ ich mir Gedanken.“ Zugegeben, Wolfgang Neuss wird es dabei vor allem um die Gedanken, besser gesagt gegen eine generelle Gedankenlosigkeit gegangen sein. Dennoch mag der Kulinariker die Worte des Kaba­rettisten so deuten: Wäre doch schön, sich mal wieder Gedanken zum Abendbrot zu machen.
Letzteres aber haben bereits die deutschen Innungsbäcker übernommen. Und dafür sogar die, Zitat, „Abendbrot­forschung“ bemüht: Das Abendbrot „trifft genau den Nerv der Gegenwart“. Der Grund: „Es ist eine simple Mahlzeit, die zeitlich immer passt und gleichzeitig besonders viel Raum für persönliche Vor­lieben bietet.“ Für Bäcker ist die „Abendbrotforschung“ also das Glück in Scheiben: Egal, was du drauf hast, Brot ist ja immer drunter.
Fragt sich nur, wohin all die jungen Menschen auf ihren Rädern unterwegs sind, Transportkartons von Foodora und Deliveroo auf dem Rücken. Indizien deuten darauf hin, dass hier keine belegten Brote durch die Gegend geradelt werden. Darüber sollte sich die Abendbrotforschung mal Gedanken machen.

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