Essen & Trinken

Hollywood und die Berliner Gastronomie

collage_2Er war schon im Dezember im Si An. In dem kleinen vietnamesischen Restaurant im Prenzlauer Berg saß George Clooney im hinteren Teil und kaum einer der Gäste nahm überhaupt Notiz von ihm. Wie kommt so eine Hollywood-Größe an diese Adresse? „Über die Empfehlung von Kollegen und Freunden. Tom Cruise war schon da, seine Ex-Frau Katie Holmes, häufiger auch Brad Pitt. Sie kennen sich untereinander und geben sich entsprechende Tipps.“ So erklärt sich Tran Mai Huy-Thong, Freund und Berater von Chef Si An Truong, den Besuch der Hollywood-Stars. Und sie machen wenig Aufhebens um ihre Person und sind sehr beliebt bei den Kellnern. Die wiederum mit einem gemeinsamen Foto belohnt werden für zuvorkommenden Service und vor allen Dingen für Diskretion.

Vielleicht taucht in irgendeinem sozialen Netzwerk dann mal so ein Schnappschuss auf. Doch die gängigen Medien, die Boulevard-Zeitung und die Paparazzi erfahren davon nichts. Das ist im Hyatt, einem der Berlinale-Hotels, schon etwas schwieriger zu organisieren. Die PR-Fachfrau Kerstin Riedel ermöglicht auf der einen Seite den Fotografen einen Platz auf der Terrasse, um ungehindert die Stars auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast fotografieren zu können. Im Gegenzug lassen sie Keanu Reeves und Catherine Deneuve unbeachtet im Vox-Restaurant dinieren, Keanu Reeves sogar am Fenster. „Sollte dann mal ein Fotograf die Chance ergreifen wollen, bemühen wir uns, das in aller Diskretion zu verhindern.“ „No-Photo-Policy“ nennt man das im Fachjargon. Die herrscht in allen Restaurants, in denen Stars sich wohl fühlen. Und Normalität sei sehr wichtig, weiß Club-Macher Cookie. „Was Stars sehr schätzen ist, dass sie bei uns normal behandelt werden. Es wird kein Bereich abgesperrt. Es gibt keinen Sondereingang. Wir machen keine Fotos und reichen keine Fotos an die Presse weiter. Ein Star ist hier Gast, hat seinen Spaß und sein Privatleben.“ Tilda Swinton ist fast schon Stammgast im Cookies Cream, dem vegetarischen Restaurant von Cookie, und Philip Seymour Hoffman fällt in der Party-Crowd kaum auf.

Der sogenannte Promi-Faktor war von Anfang an auch im Grill Royal und im Pauly Saal verhältnismäßig hoch. Wird das in irgend­einer Weise lanciert? „Überhaupt nicht. Uns ist wichtig, dass sich alle unsere Gäste wohlfühlen“, so Geschäftsführer Moritz Estermann. „Für uns ist der Besuch eines Hollywood-Stars kein medienrelevantes Thema. Ein Gast ist ein Gast und jedes Mal willkommen, wenn er sich für uns, für den Grill Royal oder den Pauly Saal entscheidet. Anfragen von verschiedenen Zeitungen der Yellow-Press werden grundsätzlich nicht beantwortet.“ Man pflegt zu vielen Gästen ein freundschaftliches Verhältnis, es wird kaum ein Unterschied gemacht zwischen prominenten und nicht-prominenten Gästen. „Die beste Werbung sind natürlich Gäste, denen es bei uns gefällt und die das ihren Freunden weitersagen.“

Auch das Katz Orange in der Bergstraße gehört zu den Adressen, die in der Filmbranche beliebt sind und während der Berlinale gebucht werden. Dort herrscht ebenso Diskretion, man schützt die Privatsphäre der prominenten Gäste, falls das nötig sein sollte. Aber aufdringliche Autogrammjäger oder Foto-Attacken mit dem Smartphone hat Inhaber Ludwig Cramer-Klett in seinem Restaurant noch nie erlebt. „Wenn so etwas vorkommen würde, dann würden wir natürlich eingreifen“, sagt er, „aber das war zum Glück noch nie nötig.“ Wenn bekannte Gesichter im Katz Orange auftauchen, reagieren die anderen Gäste meist ziemlich cool. Probleme mit professionellen Paparazzi gab es im Katz Orange ebenfalls noch nicht. „Einmal stand ein Fotograf vor der Tür, der einen Res­taurantgast fotografieren wollte“, erzählt Cramer-Klett. „Als wir das gemerkt haben, haben wir ihn weggeschickt.“ Wenn ein Berliner Restaurant von bekannten amerikanischen Künstlern besucht wird, ist das meist ein Ergebnis von transatlantischer Mundpropaganda. Lou Reed war im Katz Orange, nachdem Wim Wenders ihm das Restaurant empfohlen hatte. Und die Wachowski-Geschwister kennen das Restaurant, weil Tom Tykwer sie dorthin ausgeführt hat. „Es ist nicht so, dass wir uns gezielt um prominente Gäste bemühen“, sagt Cramer-Klett. Bei internationalen Berühmtheiten sei das auch gar nicht möglich. Aber die internationale Presse hat einen Einfluss darauf, ob ein Restaurant zum Promi-Treffpunkt wird oder nicht. Kurz vor Weihnachten hat die New York Times in der „travel section“ einen Bericht über das Katz Orange gebracht. „Das war ein schöner Text, darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagt Cramer-Klett.

Axel Burbacher freut sich ebenso über die Aufmerksamkeit internationaler Presse. Und wenn im „The Hollywood Reporter“ das Long March Canteen als Restaurant in Berlin empfohlen wird, hat das durchaus positive Konsequenzen. Auch hier werden Stars wie normale Gäste behandelt, die sich, wie John Malkovich, für den angenehmen Abend mit einem Smartphone-Foto revanchieren. Und auch hier funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda. „Uns besuchen viele deutsche Film-Regisseure, die uns dann an ihre internationalen Kollegen weiter empfehlen.“ So hat das auch mit Barbra Streisand und der Peking Ente funktioniert. Der berühmte Pianist Lang Lang ist seit zehn Jahren Stammgast in dem chinesischen Restaurant in der Voßstraße. „Wenn er in Berlin ist kommt er fast jeden Tag zum Essen. Das ist Ehre und Herausforderung zugleich“, erklärt Chefin Mengling Tang. Lang Lang und Barbra Streisand kennen sich, so empfahl der Pianist dem Weltstar diese Adresse. Streisand feierte hier anschließend mit ihrer Familie ihren Geburtstag. Andere Stars, wie Harrison Ford, schauen vorbei wenn sie zum Beispiel im Ritz Carlton absteigen. „Die Concierges von den Hotels darf man nicht unterschätzen“, nicht nur Tang profitiert von den Empfehlungen der Profis in den Rezeptionen. Hollywood in Berlin – alles wie im ganz normalen Leben? Letzlich funktioniert es genauso, wie Moritz Estermann so prosaisch bemerkte: Ein Gast ist ein Gast und jedes Mal willkommen.

Text: Eva-Maria Hilker

Collage: Monique Meyer / HiPi verwendetes Bildmaterial: Nicolas Genin, Mireille Ampilhac, SpreePiX?/?R. Imre, Manfred Werner, Esther Suave

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