Kommentar

„Ich bin bedient“ von Clemens Niedenthal

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Vor einiger Zeit in einem der eher teuren Restaurants der Stadt. Wir saßen zu zweit, an einem Tisch mit drei Stühlen. Warum, wurde uns immer dann vor Augen geführt, wenn der Service kam. Und der Service kam ziemlich oft an diesem Abend. Er lehnte sich, beide Arme angewinkelt, betont lässig auf die Lehne des freien Stuhls. Jedes Mal. Was diese offensichtlich akkurat eingeübte Geste sagen sollte: Mann, sind wir hier lässig! Was diese offensichtlich akkurat eingeübte Geste tatsächlich gesagt hat: Mann, sind wir hier übergriffig. Wir gehen Euch so richtig auf den Geist.
Nun gibt es das genannte Restaurant bereits nicht mehr. Und genauso wenig wünschen wir uns den servilen Service zurück, wie er ja gerade eben noch so verbindlich zum vermeintlich feinen Essen gehört hat. Wir möchten Bedienung, keine Diener. Aber ein Restaurantbesuch ist eben auch keine Party, bei der der eine dem anderen mal ein Bier vom Balkon mitbringt. Und schon gar keine Performance, die den Gast zum Zaungast eines Auftritts degradiert. Hauptdarsteller: der Hipster-Kellner, der so damit beschäftig ist, sein nerdiges Spezialistenwissen durch den Laden zu tragen (oder auch nur seine Tattoos), dass die Suppe schon mal auf der Tellerkrempe landet. Und die Vorspeisenbestellung im Nirvana.
Mensch Leute, lasst dem Essen doch die Bühne. Und seid wieder nah dran am Gast. Und zwar bitte, bitte nur im sprichwörtlichen Sinne.

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