Essen & Trinken

Im Alpenstueck bleibt man seinen Ansprüchen treu

AlpenstueckDafür ein großer heller Raum mit hoher Decke für Leute, die sich nicht verstecken wollen – und auch für die, die gesehen werden wollen. Mitte eben. Gerade war man noch im Büro und muss erst einmal ein bisschen runterkommen. Dabei hilft ein kleiner, feiner Rieslingsekt, und damit man nicht gleich einen im Tee hat, wird ein Schälchen Kräuterquark dazugestellt, wie man ihn in dieser Qualität auch aus dem eigenen Kühlschrank kennt, dafür aber mit ausgezeichnetem hausgebackenem Brot, schön resch und mit Koriander und Kümmel gewürzt. Wir kennen das als Indiz für anspruchsvolle Gas­tronomie und freuen uns jedes Mal darüber.

Die Vorspeise, Geröstel vom Apfelschwein, ist so gut, dass es ruhig ein wenig mehr hätte sein dürfen. So viel wie die drei Kalbsmaultaschen, die ebenfalls auf den Tisch kommen und zu einem der drei Klassiker des Alpen­stuecks zählen.
Es ist durchaus verständlich, dass auch der neue Küchenchef des Alpenstueck, Christian Rex, einer eher traditionell bis manchmal sogar rustikalen Küche eine leichte, elegantere Note verleihen will und daher auf die übliche Hackfleisch-Speck-Füllung verzichtet. Aber den Kalbsmaultaschen hätt’ a kloans bisserl an Pepp ganz gut getan. Das arme Tier soll ja nicht umsonst geopfert worden sein. Warum nicht mal eine Füllung aus Entenhachй? Die Beilagensalate zu Vor- und Hauptspeise sind mit verschiedenen, wunderbaren Dressings angemacht, was verhindert, dass Lan­geweile aufkommt. Überhaupt, diese Salate! Reine Blätter, kna­ckig und kräftig, ohne Schnick­schnack in Form von halben Cock­tailtomaten oder dergleichen.

Ein weiterer Klassiker, das Wiener Schnitzel vom Linumer Wiesenkalb, ist genauso, wie man es sich immer wünscht, tatsächlich aber nur selten bekommt: dünn, saftig, gut gewürzt und mit krosser Panade. Perfekt. Der begleitende Kartoffelsalat ist wiederum ein Zugeständnis an die Eleganz: kein Schlonz, wie er entsteht, wenn man die gekochten Kartoffeln noch heiß in die Marinade schnibbelt, sondern Kartoffelstückchen mit Dressing. Auch gut, ist ja schließlich kein Wirtshaus. Dass die Küche den Spagat zwi­­schen Alt und Neu sowie die Tricks und Kniffs der Erneuerung beherrscht, lässt sich spätestens an den Kässpätzle erkennen. Eine feine, angenehm kleine Portion fluffiger Eiernudeln, ummantelt von Allgäuer Bergkäse, die nicht wie so häufig wie ein Wackerstein im Magen liegt, und damit es nicht eintönig wird: ordentlich Salat dazu, siehe oben.

Als Dessert noch ein Klassiker, Apfelstrudel mit Vanillesauce, und auch der hält den an ihn gerichteten hohen Erwartungen locker stand. Knusprig, mit fruchtiger Füllung und einer schön aufgeschlagenen Vanillesauce. Das cremig-kühle, leicht zimtige Krokantparfait mit dezent marinierten Kirschen enttäuscht ebenfalls nicht. Wäre dazu noch der bestellte Espresso gebracht worden, wäre alles bestens gewesen. Ansonsten ist der Service sehr freundlich, unaufdringlich und sorgfältig. Und trägt kein Dirndl.

Text: Claudia Frenzel

Foto: Alpenstueck

tip-Bewertung: Empfehlenswert

Alpenstueck Süddeutsche Heimat­küche, Gartenstraße 9, Mitte, Tel. 21 75 16 46, www.alpenstueck.de; S-Bhf. Nordbahnhof, Bus 240, N6, N8, Tram M8, M10, 12; tgl. 18-2 Uhr, Küche bis 24 Uhr; Speisen 6 bis 17 Ђ, Softdrinks ab 2 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,50 Ђ, Wein (0,1 l) ab 3 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 21 Ђ, Longdrinks ab 6,50 Ђ; Rauchen: draußen unter der Markise mit Decken

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