Essen & Trinken

Hoch über der Stadt: Dachgartenrestaurant Käfer

käferVor allen Dingen ist der Service exzellent. Silvio Sterz, unser Kellner an beiden Besuchsabenden, war rührend um uns besorgt. Aber schon im Servicebereich zeigt sich Improvisation in einem hochprofessionell anmutenden Restaurantbetrieb. Kellner und Kellnerinnen müssen Meter machen, um einen eventuell fehlenden Löffel, neues Besteck oder andere Utensilien nachzulegen. Es fehlt die klassische Zwischenstation, der Guйridon, an der man schnell und ohne großen Aufwand Kleinigkeiten nachbessern kann.

Die Weinkarte ist hervorragend bestückt, in solch wunderbaren Höhen kann es auch mal ein etwas kostspieliger Chardonnay von Wittmann sein. Beim Blick auf die Nebentische und danach auf die Karte wundert es dann doch, dass größere angemeldete Gruppen ein Drei-Gänge-Menü serviert bekom­men, aber auf der Karte nur ein Vier- bis Sechs-Gänge-Menü zu fin­­den ist, welches sich der Gast zusammenstellen kann. Wenn Grup­­­pen, meist Touristen – das soll ja auch so sein –, eintreffen, ist den Köchen und dem Service eine gewisse Anspannung an­zu­mer­ken. Das bedeutet auch länge­re Wartezeiten zwischen den einzelnen Gängen. Personalpolitisch eine große Herausforderung.

käferZudem arbeiten die Köche auf verschiedenen Ebenen, ein Teil der Küche ist unten im Erdgeschoss, der andere oben unterm Dach. Das macht sich erst kaum bemerkbar. Die gebratene Wachtelbrust war perfekt, knusprig außen, zart das Fleisch, auch die wag­halsige Kombination grüner Spargel und Erdbeersalat war gut, wenn nicht das Trüffelöl die zarten Aromen verjagt hätte. Das ist bei übrigens jedem Gericht anzufinden, hervorragende Produkte, gute Ideen, aber immer wieder werden Reminiszenzen an die Kochkunst der 80er Jahre erwiesen. Das Jakobsmuscheltatar ist ein kräftiger Tusch in einem dünn­flüssigen Salatsüppchen. Die Ravioli waren okay. Die Füllung schmeckte etwas pulvrig, leider nicht cremig. Genauso erging es der Empfehlung des Küchenchefs, dem Kalbskotelett unter Dijon-Senf-Sauce. Es war zu wenig Geschmack vom Dijon-Senf in der Kruste. Die Polentaschnitte als Beilage musste wohl mehrere Aufzugsfahrten hinter sich gehabt haben.

Das Engagement sowie das Kön­nen der gesamten Crew im Dachgartenrestaurant hätte das Zeug zu Höherem, es fehlt vielleicht der Mut unter dem Motto „Weniger ist mehr“, einiges an Beiwerk wegzulassen, die Preise vielleicht angemessen zwei, drei Euro zu senken, noch mal einen Blick auf die Logis­tik zu werfen und auch die Plätze im Innenraum zu besetzen. Denn der Blick über Berlin lässt sich bei einer Pause zwischen den Gängen auf der Terrasse ausführlich genießen. Wie gesagt: Das Dachgartenrestaurant ist das Beste in solch einer Höhe mit solch einem Publikumsmix.

Text: Eva-Maria Hilker


Foto
: Catherine Gericke

tip-Bewertung: Empfehlenswert

Dachgartenrestaurant Käfer im Deutschen Bundestag Platz der Republik 1, Tiergarten, Tel. 22 62 99-0, www.feinkost-kaefer.de; S-Bhf. Unter den Linden, Bus 100; tgl. 9-16.30 + 18.30-24 Uhr, Küche bis 22 Uhr; Speisen 6,50 bis 29,50 Ђ, Softdrinks ab 3,50 Ђ, Bier (0,3 l) ab 4,20 Ђ, Wein (0,1 l) ab 5,50 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 26 Ђ; Rauchen nicht erlaubt, auch nicht draußen

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