Essen & Trinken

Im Gespräch mit Cookie

cookies_florian_bolkAlso Cookie, wie haben Sie es geschafft, das Nachtleben 18 Jahre erfolgreich und so unbeschadet zu über­stehen?
Mein Glück war, dass ich erst sehr spät angefangen habe auszugehen. Außerdem habe ich Respekt vor Alkohol.

Und vor anderen Drogen?
Die habe ich nie richtig gestartet.

Ist die freundschaftliche Club­atmosphäre, die Sie entwickelt haben, abhängig von Berlin? Oder hätten Sie die auch in New York, Rom, Lissabon oder Barcelona entwickeln können?
Ich habe das Richtige zur richtigen Zeit gemacht und 1994 meine erste kleine Kellerbar eröffnet. Die war winzig und nicht zu vergleichen mit dem Club heute. Damals stand ich selbst hinter der Bar. Dass ich die 18 Jahre überlebt habe liegt auch daran, dass ich immer wieder etwas verändere, Lust auf etwas Neues bekomme und trotzdem meinen Prinzipien treu bleibe.

Sie haben Prinzipien erwähnt, sind das die Atmosphäre, Musik, Freunde?
Für mich sind meine Stammgäste sehr wichtig. Ich will, dass sie an der Tür erkannt werden. Die Club-Atmosphäre wird durch Leute geprägt, die immer wieder kommen. Das ist aber nur ein Prinzip. Man muss zudem aufpassen, dass alles die richtige Verhältnismäßigkeit besitzt. Du wirst hier keine Sponsoring-Marken sehen. Der Club steht im Vordergrund. Wenn mir Sachen nicht gefallen, ändere ich das. Ich achte sehr darauf, dass ich den Club so mit Leben fülle, dass ich mich hier wohl fühle.

Bei der Jubiläumsparty waren Hunderte von Leuten da. Und alle sind Freunde von Cookie?
Doch, ich kenne alle persönlich: mit Vornamen, Nachnamen und Beruf. (lacht) Nein, aber das ist auf jeder Privatparty auch so. Es kommen immer auch Freunde von Freunden. Auch nach der privatesten Party wird der Gastgeber hinterher feststellen, dass er viele Leute nicht kannte. Bei der Party zu 18 Jahren Cookies waren Freunde aus der ganzen Zeit da. Das Schöne ist, dass diese Gäste regelmäßig ins Cookies kommen und dass für sie ganz klar ist, dass hier ein Teil ihres Lebens passiert. Die neuen Gäste, für die der jetzige Laden das Nonplusultra ist und die den alten nicht kennen, bringen neue Impulse ein. Bei unserem Jubiläum war ich überrascht über die Mischung aus alten und neuen Stammgästen. Für mich war das in 18 Jahren die schönste Party.

Tilda Swinton ist zur Berlinale immer auch im Cookies anzutreffen. Zur Jubiläumsfeier war Philip Seymour Hoffman da?…
Unsere Qualität hat sich durchsetzt. (lacht) Was Stars sehr schätzen ist, dass sie bei uns normal behandelt werden. Es wird kein Bereich abgesperrt. Es gibt keinen Sondereingang. Wir machen keine Fotos und reichen diese an die Presse weiter. Ein Star ist hier Gast, hat seinen Spaß und sein Privatleben. Ich finde es peinlich, wenn meine Gäste anfangen, Fotos zu machen. Auf der anderen Seite fühlen die Stars sich auch geehrt, dass sie erkannt werden.

Pressearbeit machen Sie ohnehin nicht viel, Sie sind sehr ­selten in der Boulevardpresse vertreten. Die Geburt Ihres Sohnes wurde beispielsweise ganz unspektakulär wahrgenommen.
Wenn es um einen Event geht, dann ist Pressearbeit richtig.

Gibt es grundsätzliche Geschichten, die Sie geprägt und verändert haben in den 18 Jahren?
Habe ich mich verändert?

Sie sitzen hier ohne Kappe?…
Ich habe nicht mit Kappe angefangen. Die kam ja erst dazu, nachdem ich den Laden in der Charlottenstraße geschlossen habe. Die größte Veränderung war, dass das gesamte Cookies als Spaßprojekt angefangen hat und nun ein ernsthaftes Unternehmen ist. Auf einmal war ich verantwortlich für ein ganzes Team. Das Cookies ist mit der Stadt gewachsen. In der Charlottenstraße waren wir der erste Club, der ein Restaurant hatte. So bin ich immer noch geblieben. Mir gefällt was, ich denke darüber nach und will es am liebsten auch schon am nächsten Tag umsetzen. Das lässt sich natürlich nicht immer so schnell realisieren. Ich überlege gerade, ob es irgendwelche Schlüsselerlebnisse gibt.

Indien?
Nach acht Jahren Arbeit wollte ich etwas Abstand nehmen und bin einen Monat weggefahren. Es war ein interessantes Erlebnis: Handy, E-Mails und die gesamte Kommunikation mit Berlin abzuschaffen und festzustellen, dass es trotzdem weitergeht.

Hat Ihnen nichts gefehlt?
Vor Ort nicht. Ich war aber froh, wieder hier zu sein. Da fällt mir noch eine Veränderung ein: Ich muss tagsüber im Büro arbeiten – und bin abends noch im Club, jeden Dienstag und Donnerstag. Ich tanze immer noch, das macht mir sehr viel Spaß. Wenn mir die Musik gefällt auch gerne ein, zwei Stunden.  

Sie haben auch mal Ihr Glück in der Modebranche versucht, mit Labelfinder, einer Internet-­Suchmaschine für Mode.
Meine Leidenschaft gehört Cookies, und das zu leiten ist ein Vollzeitjob. Ich fühlte mich gespalten, Labelfinder und Cookies hinzubekommen. Beides ist einfach nicht machbar.

Sie haben auch Experimente mit Ihrem Restaurant Chipps ­gewagt. Sie hatten innerhalb kürzester Zeit zwei Standorte aufgemacht.
Mit dem Chipps-Konzept, das wir in der Jägerstraße aufgebaut haben, hat es in der Friedrichstraße einfach nicht geklappt. In den vergangenen 18 Jahren hatte ich viele Projekte: die Greenwich-Bar, das Cafй Bravo, beim Delicious Doughnuts war ich mal ein Jahr beteiligt. Es gab immer zusätzlich Sachen, die ich gemacht habe.

Die Bar in der Torstraße?…
Ja, das Trust. Aber das, was konstant besteht, ist das Cookies. Die anderen Projekte sind Erfahrungswerte, mit denen ich dann wieder zurückkehre.  

Bei der Jubiläumsfeier tauchten im Cookies Cream plötzlich ­Leute mit Bohrern und Handwerkszeug auf und innerhalb von Minuten entstand ein Roulette-Tisch?…
Das habe ich leider nicht gesehen. Alles hat sich in Minuten in ein Casino verwandelt.

Machen Sie das jetzt jedes ­Wochenende?
Nein. Das war eine einmalige ­Sache. Das Thema war: Was kann man mit 18 Jahren machen? Und mit 18 Jahren darf man ins Casino. Wir haben also an alle Leute Chips verschickt oder an der Tür ausgegeben. Einmalig. Und dann konnte man dafür trinken, sie verspielen oder umso mehr gewinnen, um umso mehr zu trinken.  

Die Idee mit dem geheimen Restaurant ist schon sehr früh entstanden, Sie haben ein Netzwerk mit Boris Radczun (Grill Royal, Pauly Saal) und Andreas Klöckner (Goldhahn&Sampson) aufgebaut. Mit Ihrem vegetarischen Clubrestaurant sind Sie immer noch der Einzige in Berlin?
Mir war es persönlich ein An­liegen, ein vegetarisches Restaurant zu etablieren. Es sollte zur Club-Kultur, zum Cookies passen. Durch Stefan Hentschel hat es sich zu einer Top-Adresse ­ent­wickelt.

Wie sind Sie zu den Örtlichkeiten gekommen?
Nach anderthalb Jahren kam ein Anruf vom Westin Grand. Der damalige Hotelbesitzer wollte ­einen Termin mit mir. Ich wusste nicht, wer das war, habe aber einen Termin gemacht. Als ich dann in der Lobby ankomme, stehen da zwölf Leute. Hoteldirektor, Technical-Director, die Juristin?…?und der Chef fragt mich, was ich mache und was ich suche, er hätte da was. Dann sind wir durch verschlungene Küchenwege hier reingekommen und ich musste mich so zügeln, nicht vor Glück zu schreien.

Was sind für Sie spürbare Veränderungen gewesen?
Die großen Veränderungen gab es in den letzten zehn Jahren. Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie es in den Neunzigern aussah. Fast jedes zweite Haus war eine Ruine. Es gab wahnsinnig viel Leerstand. Und praktisch konnte man in jedes zweite Haus reingehen, die Tür aufmachen und drin wohnen, bis man rausflog, was teilweise Jahre gedauert hat, teilweise schnell ging. Dann wurden diese Häuser saniert. Die Politik zog nach Berlin. Und gegenwärtig erkennt man, dass Berlin international an Bedeutung gewonnen hat. Berlin wird immer mehr auch Business-Metropole, vor allem in Mitte. Dadurch verliert Mitte auch an Charme, und die Freiräume für Freigeister werden immer weniger. Die zieht es nun in andere Bezirke.

Interview: Eva-Maria Hilker

Foto: Florian Bolk

Cookies Friedrichstraße 158, Mitte, Tel. 280 88 06, Cookies Cream mit Drayton Bar, Behrenstraße 55; Cookies Club Night immer Di, Do, Sa ab 24 Uhr

Stationen Cookies seit 1994 Auguststraße 26?b, Auguststraße 36, Johannisstraße 2 Postfuhramt, Auguststraße 5a Backfabrik, Saarbrücker Straße 36, Charlottenstraße 44

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