Essen & Trinken

Interview mit Klaus Kocks

Klaus Kocks

Klaus Kocks, der Dandy unter den Dauertalkshowgästen, trinkt seinen Scotch wahlweise in britischen Dorfwirtshäusern – oder in Harry’s New York Bar. Als einen weiteren Lieblingsort in Berlin schätzt der Kommunikationsstratege den Chelsea Farmer’s Club in der Schlüterstraße. Dort findet sich der richtige Zwirn für stilvolle Abende beim Barmann des Vertrauens.

tip Herr Kocks, haben Sie in Berlin eine Lieblingshotelbar?
Klaus Kocks Zumindest hatte ich lange eine. Vermutlich ist sie es immer noch, auch wenn diese Beziehung zuletzt eine eher platonische war: Harry’s New York Bar im Esplanade am Landwehrkanal, wo der grandiose Bartender Onur Köksal die Tradition des legendären Andreas Lanninger fortsetzt.

tip Whisky oder Wodka? Oder Gin?
Klaus Kocks  Man kann schottischen Whisky trinken, mit amerikanischen oder irischem putzt man alte Möbel oder seine Wanderstiefel. Wodka ist Kartoffelschnaps, ekelhaft. Rum saufen nur Sailor und Schiffschaukelbremser. Die dürfen das von mir aus auch. Gin kann tatsächlich eine feine Sache sein, vor allem, wenn man sich in das Thema mal eingetrunken hat. Meine Wahl fiele also auf einen Martini-Cocktail auf Gin, gerührt. Allenfalls ein Hauch Zitrone. Olive ist Gemüse, also eine Sättigungsbeilage, auch ekelhaft. Eine feine Alternative wäre ein Scotch mit einem Schuss Staatlich Fachinger.

tip Was ist das überhaupt für ein seltsamer Ort, die Hotelbar: Heimat? Fremde? Privatsphäre oder öffentlicher Raum?
Klaus Kocks Sie kann beides sein. Und das im besten und im trostlosesten Sinne. Die Hotelbar ist entweder die Vorstufe zum „Tode eines Handlungsreisenden“ oder eine Versuchung der besonderen Art. Hin und wieder sitzt die Versuchung auf dem Nachbarhocker und das Hotelbett ist nah … Letztlich aber bleibt die Hotelbar vermutlich der Pub, also die Kneipe des gehobenen Vagabunden. Ein Ort, der Klasse und Eleganz verpricht, aber eben auch die strukturelle Heimatlosigkeit mal schlecht, mal recht kaschiert.

tip Sie waren mal Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG, kennen den Alltag und die Abendgestaltung in den Chefetagen. Welche Rolle spielt da die Hotelbar? Werden dort Verträge gemacht oder wird sich zumindest wieder vertragen?
Klaus Kocks Die Mutter aller Bars ist sicher das Harry’s in Venedig. Natürlich Venedig, möchte ich sagen. Und auf dem Canale Grande die Totenschiffe. Hier werden keine guten Geschäfte gemacht und erst recht nicht gefeiert, sondern schlechte dem Vergessen anheimgestellt. Es wird, literarisch gesprochen, Hemingways Depression zelebriert.

tip Hinter dem Art-dйco-Tresen der Bonbon Bar in der Torstraße stehen ausschließlich Barkeeperinnen. Ist die Bar weiblicher geworden?
Klaus Kocks Bars waren ja nie männlich, möchte ich da erwidern. Immer ging es zumindest um Frauen. Manchmal um verflossene, meistens um unerreichte und hin und wieder um sehr erreichbare, die in der Ecke an einem White Lady nippten.

tip Apropos: Welche Kunst sollte ein guter Barkeeper, egal ob männlich oder weiblich, vor allem beherrschen?
Klaus Kocks Schweigen! Vergessen! Und stumm wissend gucken!

Interview: Clemens Niedenthal

 

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