Kommentar

„Ist mir doch Wurst“ von Clemens Niedenthal

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Wobei das mit mir und der Wurst ja gerade erst angefangen hat. Also mit mir und dem Wurstmachen.

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Ein Lagerverkauf war daran schuld. Jetzt bin ich also in Besitz einer dieser amerikanischen Küchenmaschinen. Und weil ja bald Weihnachten ist, kaufte ich den Fleischwolf, also den Fleischwolfaufsatz, gleich noch dazu. Und bekam gratis noch das erste Rezept eingepackt: Entenbrust, Schweineschmalz, Salz, Pfeffer, Majoran – fertig wäre meine erste Wurst. Ein befreundeter Metzger bot sich auch gleich an, mir ein paar Meter Naturdarm zu überlassen. Vermutlich schätzt er mein Talent richtig ein und hat berechtigterweise keine Sorge, mich künftig als Kunden zu verlieren. Und außerdem: „Das Fleisch für die Wurst musst Du ja eh auch irgendwo kaufen.“ Um es mit dem Berliner Kulturwissenschaftler Wolfgang Kaschuba zu sagen: „Selbermachen kostet – und zwar Zeit und Geld.“
Meine Großeltern hatten noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Das hat ihnen Geld gespart, das sie ohnehin nicht hatten.  Ich kann mir Würste kaufen, sehr handwerkliche und sehr delikate zudem. Und sehne mich wohl genau deshalb danach, sie selbst zu machen. Hat wohl irgendwas mit der Unmittelbarkeit der spätmodernen Produktionszusammenhänge zu tun. So gesehen sollte ich für meine erste Wurst wohl auch auf die amerikanische Küchenmaschine verzichten. Und unplugged wursten.

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