Essen & Trinken

Kaffeefahrt

Lichtbild-AustriaVerdrängung hat auch etwas Gutes. Das weiß auch die moder­ne Psychologie. Denn sonst könnte man nicht mehr klar denken, sollte der Geschädigte immer im Bewusstsein der schlimmen Erfahrun­gen leben. Nun geht es in der hiesi­gen Gastronomie nicht unbedingt zwangs­neurotisch oder schwer schädigend zu, wenn sie auf dem Lande exis­tiert. Doch was auf den Dampfern der Hauptstadt von Cate­rern zubereitet und zu Wasser serviert wird? Man staunt nicht schlecht, was der Tourist oder heimische Ausflügler alles aushalten und verdauen kann. Hätte die angereiste junge Verwandtschaft nicht mit einer gewissen Häme daran erin­nert, wie der Kaffee bei der letzten Brückenfahrt geschmeckt hat, dann wäre das im ewigen Dunkel der Verdrängung geblieben. Aber so! Wenn Kaffee nach aufgekochtem Tor­ten­boden schmeckt, wenn schon gemeine Wetten laufen, wie lange der schon warm gehalten wird. Acht Stunden oder doch schon zehn? Wenn einer behauptet, das sei lösli­cher Kaffee – vor Tagen zubereitet, in dem die Kanne so lange auf der Warmhalteplatte stand, bis nur noch brauner Teer am Boden haftet, dann mit heißem Wasser aufgegossen. Dann traut man auch nicht mehr den Wienern, dem Kartoffelsalat oder den Putenmedaillons, die angeboten werden. Und dann freut man sich doch, weil man so vernünftig war. Denn hungrige Menschen verspeisten während dieser Dampferfahrt das Geflügel halbroh. Sie waren jung, sie werden es ohne Schaden überlebt und wahrscheinlich zu ihrem Wohl auch verdrängt haben.

EMH

Foto: Lichtbild-Austria

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