Essen & Trinken

Keepers Digest – Barkeeper und ihr Ding

 

Wir haben zwei dieser Stehlampen. Der Junge steht auf der Bar, das Mädchen steht im unteren Bereich. Entdeckt habe ich sie gemeinsam mit meiner Partnerin Elke Bremer nur durch Zufall, denn wir suchten eigentlich nach einem Kronleuchter. Haben uns dann aber sofort in diese beiden verliebt. Das kitschige Konzept der Bar und dieses Design, das hat wunderbar harmoniert. Der sprichwörtliche Punkt auf dem i. Gefunden haben wir sie in der Urbanstraße. Dort gibt es eine ganze Reihe von türkischen und arabischen Läden, die nicht nur Trödel, sondern auch zeitgemäße Designmöbel anbieten. Unglaublichen Kitsch bekommt man dort, aber zu einem fairen Preis. Wir standen in einem dieser Läden und haben uns den ausliegenden Katalog angesehen, und dort stand wirklich, und das ist kein Scherz: Needful Things. Überall standen räkelnde Sphinxen und Amphorenträgerinnen aus Polyesterguss herum. Es gibt Betten, die komplett aus Polyester gegossen sind. Man sieht sogar noch die Stanznähte. Das ist so unglaublich hässlich, dass man erst einmal paralysiert ist. Wir mussten uns wirklich zusammenreißen, um nicht zu laut zu lachen, denn der Verkäufer fand diese Dinge wirklich schön. Wir zwar auch, aber eben im Rahmen unseres kitschig-ironischen Konzepts. Der Verkäufer war völlig begeistert von unserer Bareinrichtung – und hat das alles sehr ernst genommen.

Einige unserer Gäste brechen noch immer in schallendes Gelächter aus, wenn sie zum Beispiel die Lampe sehen. Überraschenderweise polarisiert diese aber auch. Eine dieser Kreuzberger Betroffenheitsdamen hat darüber auch schon mal eine rassistische Debatte mit mir führen wollen. Einen Schwarzen als Lakaien darzustellen, das war für sie purer Rassismus. Im Grunde hat sie auch nicht ganz Unrecht. Uns geht es um Kitsch. Entstanden ist dieses Design im 18. und 19. Jahrhundert. In der Urbanstraße haben sie das nachgemacht und dabei die Grenzwertigkeit dieser Dinge außen vor gelassen. Es gibt Mohren, die ein Tablett tragen und sogar einen Tisch, dessen Platte von einem Schwarzen getragen wird. Darüber kann man auch gern diskutieren. Es steckt andererseits nur einfach absolut schrecklicher Geschmack dahinter. Die meisten Gäste erkennen die Ironie, das ironische Zitat dahinter. Mit dieser speziellen Kundin habe ich mich schließlich darauf geeinigt, dass wir uns nicht einigen können.

Text: Martin Daßinnies

Drama; Mehringdamm 63, Kreuzberg, Tel. 67 46 95 62, www.dramabar.de, tgl. ab 12 Uhr

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