Essen & Trinken

Klaus Peter Koflers „Pret a Diner“

AlteMuenze„Hast du schon gehört?“ Das ist die meistgestellte Frage der letzten Tage unter Journalisten, Clubbetreibern, Gastronomen und denen, die immer das Neue suchen. Es geht um das Projekt „Pret a Diner“ von Klaus Peter Kofler, kurz KP genannt. Dabei handelt es sich um ein temporäres Projekt und der Name ist eine Anspielung an den Begriff der Modebranche: prкt-a-porter – also Mode zum Tragen, Mode, die günstiger ist als Haute Couture. Pret a diner – gutes Essen für jedermann. Es ist das erste Mal, das KP mit dieser Art Veranstaltung an die Öffentlichkeit geht. Seit 2004 in Berlin, war diese Eventreihe bisher einem Inner Circle, einem besonderen Kreis von Gästen vorbehalten. Sie hatten die Gelegenheit, sich in neu gestalteten Räumen bei sehr gutem Essen und Drinks zu treffen und sich von Trends rund um die Themen Essen, Einrichten, Kochen beeindrucken zu lassen. Wir stehen in den kahlen, grauen, morbiden Räumen der Alten Münze, der ehemaligen Münzprägeanstalt. Eine Truppe von Handwerkern laboriert an Leitungen herum. Die Innenarchitektin Nora von Nordenskjoeld bespricht gerade mit dem Gastronomieexperten, wo das Geschirr in dem einzigen bereits abgetrennten Raum gelagert werden kann. Das im Augenblick auffällig Charmante in dieser Industriearchitektur sind die hellen Heizungsrohre, die sich wie eine Installation an der Wand schlangenförmig hochwinden, und der Spruch aus vergangenen Zeiten: „Das Leben dem Menschen?/?Die Zukunft dem Kommunismus“.

PopUp2„Das wird so bleiben“, so KP. Doch alles andere wird völlig umgemodelt. Oliver Haug, der Mann für die Gesamtkonzeption, rauscht durch die Räume: „Das hier wird der Empfang, eine Bar mit Loungebereich, durch die Tür“ – es geht in den nächsten Raum – „werden die Gäste namentlich aufgerufen und an die Tische geleitet, dort ist die offene Küche, oben auf der Remise die eher privaten Räume – können Sie sich das ungefähr vorstellen?“ Und weg ist er, ins Treppenhaus, in dem er mit den Handwerkern spricht. Das gesamte Team ist für dieses Projekt zusammengesucht. Die Räume? „Ich habe mir einiges angesehen, über zehn Locations. Doch als ich diese zum ersten Mal betreten habe, wusste ich: das ist es!“ Es sei wie einen Film drehen, das Drehbuch hätte er, die Hauptdarsteller, die Kulissen, der Ort sei jetzt auch klar. KP ist das Zugpferd, sein Team zieht mit und sieht dabei etwas geschafft aus. „Wenn er etwas anfasst, dann wird das auch was.“ Der Mann ist Garant für erfolgreiche Events. Es sei Disziplin, die er schon im Kindesalter gelernt hat, und der gute Umgang mit sich selbst. Klaus Peter Kofler hat mit sieben Jahren angefangen zu reiten. Im Alter von zwölf nahm er an den Deutschen Meisterschaften teil. Wenn er davon erzählt, wir stehen vor einem winzigen Gasofen in einem der riesigen Räume, ist die Begeisterung, die Passion nicht zu übersehen. Im Profireitsport war er tätig, mit Schockemöhle hat er zusammengearbeitet, Springturniere erfolgreich absolviert. Pferde und Reiten waren sein Leben. „Du hast eine Verantwortung für die Pferde, das sind 365 Tage und zehn Stunden am Tag, die du diesem Sport widmen musst. Nebenbei? Das geht nicht.“

PopUpDas also die Arbeitsauffassung des KP, die er auch in seinem Unternehmen Kofler & Kompanie, einer international renommierten Cateringfirma, verwirklicht. Der Mann – immer mit Halstuch – hat ein klares Ziel vor Augen. Er will Genuss mit allen Sinnen ermöglichen und er will zurzeit die Demokratisierung von Luxus. Dafür schafft er erst den Rahmen. Das Mobiliar ist größtenteils Second-Hand oder aus dem Fundus des Filmstudios Babelsberg. Auch die Preise für ein Drei-Gänge-Menü sind äußerst moderat. „Den Berliner Verhältnissen angepasst“, Kofler hat ein Gespür dafür, wie weit er gehen kann. Drei Köche, jeweils mit einem Michelin-Stern, werden sechs Wochen lang zeigen, was man aus regionalen Produkten zubereiten kann. „Es gibt nicht viel Aufwand drumherum, es wird auch sorgfältig und sparsam mit Fleisch umgegangen.“ Neue kulinarische Impulse sind garantiert, denn Kofler bringt zwei Sterneköche aus anderen Städten nach Berlin. Matthias Schmidt – Villa Merton in Frankfurt – ist der erste, der zwei Wochen lang das Menü offeriert. Wahabi Nouri – Piment in Hamburg – zeigt, wie marokkanische mit französischer Küche harmoniert. Und Bernhard Munding vom Berliner Dos Palillos wird spanische Tapaskultur mit asiatischen Einflüssen kreieren. „Das ist mit regionalen Produkten zwar schwierig, aber sie können jede Woche essen kommen und erleben immer wieder Neues.“

Einen Melting Pot im wortwörtlichen Sinne will KP kurzfristig etablieren. Und die Köche werden die Speisen mit an den Tisch bringen und mit den Gästen reden, Fragen beantworten. Denn auch das Image des guten Küchenchefs hat sich grundlegend geändert. Waren es früher die dickbäuchigen Ungetüme, die wenig kommunikativ und schon gar nicht charmant in der Küche die Mitarbeiter triezten, ist es heute der gutaussehende, durchtrainierte Mann, der eloquent mit den Gästen nicht nur über sein Essen, sondern auch über aktuelle Themen plaudern kann. Finanzwelt trifft Szene, Insider den Newcomer – und dass Pret a Diner zur Fashion Week und zur Berlinale stattfindet, verspricht ungeahnte und zahlreiche neue Bekanntschaften. Jedenfalls wird die Frage in den nächsten Tagen lauten: „Warst du schon in der Alten Münze?“

Text: Eva-Maria Hilker

Pret a Diner bis 20.2., Alte Münze, Am Krögel 2, Mitte, Anmeldung unter www.pret-a-diner.com; Das Menü in den ersten zwei Wochen von Matthias Schmidt

Nicht vegetarisches Drei-Gänge-Menü für 39 Ђ: “ A Brook Trout Jumps Out Of The Blue Into The Green“ (Bachsaibling, Wasserkresse); „A Romanesco Giggles In Spruce Powder“ (Romanesco, Fichte); „A Lamb Gets Lost In A Horseradish Snowstorm“ (Müritzlamm, Petersilie); Das Vegetarische Menü und die Desserts sind auf der Homepage nachzulesen

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