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„Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“

Genauer hinsehen sollte Nikolai Alexejewitsch, meinen seine Töchter. Er ist einer der Protagonisten in „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ von Marina Lewycka. Sie beschreibt in ihrem Erstlingswerk mit eigenwillig trockenem Humor, die tragikomische Verliebtheit eines alten, etwas gebrechlichen Mannes und Vater zweier erwachsener Töchter – in ein ukrainisches Busenwunder. Die Autorin liefert dabei eine originelle Abhandlung über herrlich pralle russisch- ukrainische Lebensphilosophien, die der Leser sehr schnell und dankbar übernimmt.
Eindeutiges Indiz für die schlechten Absichten des blonden Giftes ist deren Vorliebe für Fertiggerichte. Ganz im Gegensatz dazu: Die leibliche, kürzlich verstorbene Mutter, also erste Ehefrau, kultivierte einen Gemüsegarten und Obstbäume. So erinnert sich die jüngste Tochter sehnsüchtig an die von Eingemachtem überbordende Vorratskammer. Alleine anhand der Indizien des Kochens und dem Umgang mit Lebensmitteln erkennt der Leser zwei historische Etappen, in denen Ukrainer aus völlig unterschiedlichen Gründen weg von ihrer Heimat, nach West-Europa ziehen – und amüsiert sich über eine wilde Streitkultur, hochtheoretische Gesellschaftskritik und ein Abhandlung über Traktoren.

Marina Lewycka „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“, DTV 358 Seiten, 14 Ђ

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