Essen & Trinken

„Laden? Lokal“ von Clemens Niedenthal

An einen System­gastronomen. Ein Trend kursiert also in diesem Land und dieser Stadt: Gewerbe­flächen in Einkaufs­zentren werden zunehmend gastro­nomisch bespielt. Von gerade mal drei Prozent zur Jahrtausend­wende auf gut zehn Prozent ist ihr Anteil im bundesweiten Mittel gestiegen. In neuen innerstädtischen Malls – das Schloss, das Alexa, die Mall of Berlin – hat manchmal schon jeder vierte Gewerbe­mieter eine gastronomische Idee. Oder eben gerade keine. Womit wir beim eigent­lichen Problem dieser Entwicklung wären. Wo die Mall längst nur noch Flag­ship-­Stores glo­baler Marken kennt und nicht mehr die Warenkunde des qua­li­fi­zier­ten Fachhandels, ist auch das Nahrungs­mittel­angebot normiert. Der Burger­laden, der Sandwich­laden, der Coffee­shop und – wow! – Frozen Yogurt. Zumal in Berlin, wo man ja die vielen Touristen dort abholen will, wo sie in Pittsburgh oder in Pinne­berg auch schon waren. Über­all Sättigungsbeilagen, aber nirgends authentische Erleb­nisse. Was spätestens dann ärgerlich wird, wenn diese neue Bequemlichkeit die Menschen nicht mehr in die Seitenstraßen führt. Dort, wo der Fachhandel kaum noch eine Chance hat, haben Restaurants und Cafйs nämlich bisher auch abseits der typischen Kulinarik-Kieze funktio­niert. In diesem Sinne: Bleiben Sie bitte hungrig!

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