Essen & Trinken

Lokal global von Clemens Niedenthal

Gerade ist der „Slow Food Genussführer 2015“ erschienen. Darin mehr als 400 Gasthäuser, die zu moderaten Preisen radikal regional und ökologisch verantwortungsvoll kochen. Nur drei davon – das Alte Zollhaus in Kreuzberg, das Buchholz im Gutshof Britz und das Weinstein in Prenzlauer Berg – kommen aus Berlin. Und das, wo doch die Stadt für ihre kulinarische Besinnung auf das Wesentliche gefeiert wird. Von den Weinbars zu den Street-Food-Trucks. Von langsamst gereiften Filets in Würde gealterter Mutterkühe bis zur vegetarischen, ja veganen Spitzen­gastronomie. Was also fehlt diesen Orten? Oder umge­kehrt: Warum fehlen sie im Slow-Food-Führer? Zu teuer für den im guten Sinne volkstüm­lichen Führer mag da der eine oder andere Dry-Age-Griller sein. Darüber hinaus weiß Lars Jäger von Slow Food Berlin aber auch um ein Dilemma: Das Idealbild einer regional verwurzelten, ja verwachsenen Küche mag in Italien stimmen. Und auch in Süddeutschland. Berlin aber lebt gerade von seinen kulinarischen Migrations­bewegungen. Weshalb es darum gehen sollte, dass in ein, zwei Jahren auch ein Hummus-Laden im Slow-Food-Führer steht oder ein Ceviche-Lokal. Herausfordernd ist das für beide Seiten. Für die Restaurants, die sich die weite Welt aus regio­nalen Produkten erkochen sollten. Und für einen Führer, der den Begriff des Authentischen ganz neu denken muss.

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